SchluppenTiger NightRun Edition 3 – „Machen wir es kurz!“

So manche Nacht entspricht nicht den Erwartungen. Die Enttäuschung kann uns desillusionieren. Beim Laufen kann eine solche Nacht uns aber auch stärken, neu aufstellen, mit einem klaren Bild vor Augen wieder entlassen. Und eine Freundschaft vertiefen.

Am vergangenen Samstag um 20 Uhr, eine Tasche mit viel zu viel Ausrüstung, Essen und Getränken schon gepackt, sammelte Schluppe mich bei mir zu Hause auf, um zum ein paar hundert Meter entfernten Parkplatz auf dem Harkortberg zu fahren. Hier schlugen wir unser Basislager auf, aßen noch eine Kleinigkeit und verharrten angesichts des schon seit Stunden anhaltenden strömenden Regens regungslos unter dem Dach, das die Kofferaumklappe uns bot. Dunkel, kalt, lang und ohne Schlaf würde die Nacht werden, das war uns klar gewesen, als wir uns verabredeten, diesen Mist zu veranstalten, aber auch noch nass – und uns war noch nicht klar, wie nass -, das war ein harter Schlag in die mentale Magengrube.

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Irgendwie konnten wir uns schließlich doch noch überwinden und liefen los. Ich beschrieb die Strecke, warnte vor Unebenheiten und Wurzeln und wir ließen den Platz unter dem Harkortturm schnell hinter uns und drangen tiefer in den Wald vor, fast immer knöcheltief durch Pfützen oder Schlamm watend. Die Singletrails auf der Strecke hatten sich in Bachläufe verwandelt und wir mussten ständig Slalom laufen, um nicht schon auf der ersten Runde der rund 6,4km langen Strecke vollkommen nasse Füße zu bekommen. Es würde anstrengend werden, das mehrere Stunden auszuhalten. Schluppe hatte bereits im Vorhinein mit sich gehadert, weil sein Körper ziemlich ausgepowert schien, und auch ich war mir nicht sicher, was in dieser Nacht mental drin sein würde. Mein mittlerweile wohlvertrauter Laufpartner schwieg noch immer bedrohlich und ich hoffte, die Trails würden seine Laune verbessern. Das Wetter jedenfalls tat es nicht: immer wenn ich auch nur dachte, „jetzt wird es ja schon besser“, hob das Rauschen des Regens wieder bedrohlich an. Immer wieder mussten wir Fröschen ausweichen, die das Wetter ganz sicher anders beurteilten, als wir; anders als wir schienen die kleinen Amphibien hierher zu gehören und waren so zahlreich, dass wir sehr aufpassen mussten, um nicht einen von ihnen zu zertreten.

Im Laufe der zweiten Runde wurde unsere Unterhaltung wesentlich lebendiger; auch körperlich waren wir warm geworden und stapften ein weiteres Mal – diesmal fröhlich schnatternd – durch den Matsch. Es hieß bei uns nicht mehr „bergauf“ oder „bergab“, sondern „gegen die Strömung“ und „mit der Strömung“. Mich nervte dieses Geplansche ganz kolossal! Wieder am Basislager, entschied ich mich für ein wenig Apfel und etwas Cola. Schluppe eröffnete mir, dass es heute nicht für eine ganz Nacht und die Ultradistanz reichen würde.

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Mit zunehmender Distanz wurden wir lockerer, aber dennoch nahm uns das Wetter körperlich und mental ziemlich in Beschlag. Nachdem wir einen Salamander auf dem Weg gefunden hatten, dachte Schluppe sich eine total bescheuerte Geschichte darüber aus, dass die Salamander Agenten der britischen Armee seien, um uns zu verwirren. Das half, besonders, weil wir auf unseren Runden anschließend eine ganze Reihe der Amphibien sichteten („Ach, das war doch wieder der von vor einer halben Stunde!“), die aussahen, als habe man sie direkt aus einem BVB-Fanshop hierher gebracht. Ich bin sicher: wenn wir noch weit über Mitternacht hinaus gelaufen wären, hätte die Tatsache, dass Salamander zu den Schwanzlurchen gehören, unsere bekloppte Geschichte in ganz neue Bahnen gelenkt…

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In der dritten Runde hatte sich bereits angekündigt, was in der vierten Gewissheit wurde: es würde nicht mehr länger weitergehen. Schluppe wollte seinen anderthalb Tage später beginnenden Urlaub nicht gefährden und ich hatte von den Äpfeln hartnäckige Bauchschmerzen bekommen. Im Laufe der vierten Runde beschlossen wir, danach nicht weiterzulaufen. Es zeichneten sich solide 25km ab. So genossen wir die letzten Kilometer und bekamen endgültig nasse Füße. Am Auto angekommen, sortierten wir unseren Kram und Schluppe setzte mich vor meiner Haustür ab. Wir waren beide stolz, in unserer Beklopptheit so vernünftig geblieben zu sein. Für beide stand fest, dass wir diese Aktion auf jeden Fall bald wiederholen würden.

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