Kein mieses Pack: Nathan VaporKrar WaistPak

Als Ultraläufer mit dreistelligen Wochenkilometern und zwei langen Läufen pro Woche bringt man recht viel Zeit in Gesellschaft eines Laufrucksacks zu – wenigstens auf meinen wöchentlichen Ultradistanzen bleibt mir oft wenig Anderes übrig. Bin ich allerdings nicht auf mehr als einen Liter Flüssigkeit und zusätzliche Ausrüstung angewiesen, reichen auch ein wenig Nahrung und ein bis zwei Handhelds. Anfangs gewöhnungsbedürftig, habe ich mich recht schnell daran gewöhnt, zunächst mit einer, dann auch mit zwei Flaschen zu laufen. Während man zwar manuell ein wenig eingeschränkt ist, habe ich – besonders an warmen Tagen – schnell die Vorteile zu schätzen gelernt: Der Umstand, die Flasche bereits in der Hand zu haben, wirkt wie eine natürliche Erinnerung, die mich dazu anhält, regelmäßiger und mehr zu trinken. Außerdem ist es gerade im Sommer sehr angenehm, auf die „Schwitzhilfe“ einer zusätzlichen Textilschicht am Oberkörper verzichten zu können.

Hose und Flasche

Für die „kürzeren“ Läufe ab etwa 30 Kilometer muss es also nicht unbedingt ein Laufrucksack sein, um die notwendige Ausrüstung (Essen, Smartphone und zwei Handhelds) zu verstauen. Mein bisheriges Setup bestand aus den Trailshorts von Kalenji, die mit ihren vier Taschen reichlich Unterbringungsmöglichkeiten bieten und zwei Handhelds auf Basis meiner Kicker-Valve-Flaschen von Ultimate Direction, die nach wie vor wegen ihrer guten Befüllbarkeit und unproblematischen Reinigung meine favorisierten Trinkflaschen sind. Der Nachteil dieser Lösung liegt in der Natur sämtlicher Hard-Bottles: auch, wenn die Flasche ausgeleert ist, ändert sie ihr Volumen nicht und ich muss sie die ganze Zeit mit mir herumtragen. Nachdem ich mir als Ergänzung für meine UD PB Adventure Vest eine zweite Softflask mit Handheld angeschafft hatte, habe ich eine Kombination aus einer Hard- und einer Softflask gestestet, wobei ich die Softflask zuerst geleert und dann in den Hosenbund gesteckt habe. Diese Lösung war schon besser, aber nicht ideal. Mir schwebte ein Laufgurt vor, mit dem man eine 500ml-Softflask am Körper tragen könnte, während die zweite als Handheld zuerst geleert und dann gegen die im Gurt ausgetauscht werden könnte. Ich schaute mich auf dem Markt um, doch keines der Produkte sagte mir sonderlich zu.

Als Nathan dann aber wenige Monate später das Vaporkrar WaistPak vorstellte, sah ich die meisten meiner Ansprüche erfüllt, denn der Gurt vereint den fast ausschließlichen Einsatz von dehnbarem Material mit einer horizontal angeordneten, verzurrbaren Tasche für eine Softflask in einem Produkt und verspricht trotz des Gewichts einer gefüllten Flasche so gut wie kein nerviges „Rumgehüpfe“. Trotz des vergleichsweise hohen deutschen Preises von fast 70€ (bisher habe ich das Produkt nur bei Runningwarehouse.de gefunden) entschied ich mich für die Anschaffung.

Vorne

Phänotyp

Die Hüfttasche ist in Deutschland nur in der schwarz-gelben Farbkombination (sorry, Schalkefans!), aber in den zwei Größen S/M und L/XL erhältlich. Ich (186cm, ~80kg) habe mich entsprechend der Größentabelle für die kleinere Version entschieden, die gut passt. Die Tasche besteht wie bereits erwähnt aus dehnbarem Material. Der Bund besteht aus einem Gummizug und ist auf der Innenseite mit Anti-Rutsch-Noppen besetzt. Auf der Außenfläche verteilen sich insgesamt vier Taschen. Den meisten Stauraum bietet die hintere, für die Softflask vorgesehene Tasche, die mit einem (zu) kleinen Klettverschluss verschlossen wird. An den äußeren Ecken dieser Tasche sind die Ankerpunkte der insgesamt vier Zurrgurte befestigt, die es dem Nutzer ermöglichen, das gesamte System um je rund sieben Zentimeter pro Seite enger zu machen und sehr gut an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Hinten ohne Flasche

Die zweitgrößte, sehr dehnbare Tasche befindet sich vorn: sie ist genau wie die Flaschentasche belüftet und verfügt über einen Reißverschluss. Mein Galaxy A5 (5,2 Zoll) inkl. recht voluminöser Hülle passt hier gerade noch herein. Direkt anschließend befinden sich links und rechts je eine kleinere Tasche, die ebenfalls mittels Klettverschluss gesichert wird. Diese Taschen sind mit etwa fünf Zentimetern Höhe und zwölf Zentimetern Breite zwar nicht besonders groß, aber auf bis zu fünf Zentimeter Tiefe Dehnbar – ausreichend für den obligatorischen Riegel und andere Ausrüstungsgegenstände. Selbst 200-Gramm-Tüte Gummibärchen findet hier gerade noch Platz (natürlich sind Gummibärchen gute Laufverpflegung!); problematisch ist, dass die Tasche mittig auf dem Hüftknochen liegt und harte bzw. sperrige Gegenstände dadurch ein wenig hervorstehen. Diese Positionierung der Seitentaschen ist allerdings den Zurrgurten geschuldet, die den meisten Platz auf der Körperseite einnehmen. Das ist nicht ideal, aber durchaus gut zu verschmerzen.

Hinten mit Flasche rausschauend

Die Softflask stammt, wie die der meisten anderen Anbieter, aus dem Hause Hydrapak und ähnelt in der Grundform denen von UD, allerdings ist die Unterseite nicht flach und weich, sondern abgerundet und verstärkt, wodurch sie sich besser in der vorgesehenen Tasche verstauen lässt. Außerdem ist eine der flachen Seitenwände mit einer Art Kunststoff-Rückgrat verstärkt, was die Formstabilität zusätzlich verbessert. Genau wie der UD-Cousin taugt sie auch ohne Sleeve oder Schlaufe sehr gut als Handheld (während der Sommermonate verhindert ein Sleeve allerdings für eine ganze Weile, dass das Getränk allzu schnell „handwarm“ wird – keiner will 37 Grad warmes Isozeug nach drei Stunden Laufen!).

Tasche

Passform und Komfort

Mit ihren 127 Gramm Gewicht ist die Tasche an sich ein Hauch von Nichts und auch mit befüllter Sofflask ist es dank der Zurrmöglichkeit kein Problem, unbeschwert zu laufen. Einmal richtig positioniert, hüpft die Flasche so gut wie gar nicht, wozu es einer gewissen Feinjustierungs-Arbeit bedarf, die aber mit der Zeit kein Problem darstellen dürfte. Man sollte allerdings darauf achten, dass die unter dem Waistpak getragene Hose aus nicht allzu glattem Stoff gearbeitet ist (z.B. die günstigen Decathlon-Splitties), weil das Material nicht ausreichend Halt bietet und der Gurt dadurch andauernd verrutscht.

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Fazit – Was ich mag und was ich nicht mag

Mir gefällt das Konzept des Waistpak: einerseits ist es kein herkömmlicher, starrer Trinkgurt, sondern ein dehnbares System, das mich in seinen Eigenschaften an die Salomon-Slab-Rucksäcke erinnert, die ebenfalls eher wie Kleidungsstücke anmuten: einmal angelegt und richtig justiert, bemerkt man sie im Grunde nicht.
Der zweite Grund: das Konzept, eine Softflask vertikal und Wackelfrei im Gurt transportieren zu können, entspricht genau meinen Vorstellungen. Auf diese Weise hat man entweder mindestens eine Hand frei, oder kann gar in Kombination mit zwei Handhelds anderthalb Liter Flüssigkeit mitführen, ohne einen Rucksack nutzen zu müssen.

Schlaufen

Aufgrund der Zurrgurte und der großen Fläche, die eine Tasche für eine Halbliterflasche jedoch einnimmt, ist der Stauraum nicht sonderlich großzügig bemessen: da ich mein Smartphone in der Reißverschlusstasche seinen Platz findet, muss ich meinen Schlüssel in der Hose unterbringen. Um einen Ultra mit Minimalausrüstung angehen zu können, ist mir der übrige Stauraum der verbleibenden Seitentaschen fast ein bisschen klein: ein paar Riegel und eine Tüte Gummibärchen sowie Isozeug zum Nachfüllen müssten schon mit. Kein großes Manko, aber durchaus ein einschränkender Faktor (allerdings bieten die meisten Handhelds zusätzlichen Stauraum für Gels oder Riegel, könnten das Problem also abmildern). Ich werde das bei nächster Gelegenheit testen.

Klett

Ein weiteres Manko sind die Klettverschlüsse der Flaschen- wie der Seitentaschen: sie sind sehr klein und verfangen sich beim Waschen gerne an den Gurten oder den Abschlussnähten, wodurch diese ein wenig auszufransen scheinen. Insgesamt macht auch das Material der Klettverschlüsse nicht den haltbarsten Eindruck. Hier gilt es, abzuwarten, was passiert.
Wirklich unangenehm in puncto Verschluss fällt aber die Flaschentasche auf: während der Klettverschluss auch mit der vollen Flasche nicht schwächelt und alles sicher zusammenhält, ist es eher kompliziert, die Flasche nach dem Trinken wieder zu verstauen: die äußere Wand der Tasche schlägt meist nach innen um und ist dadurch schwer zu ertasten, wodurch ich oft erst nach einigem Fummeln bemerkt habe, dass ich die Flasche fälschlicherweise unter den Gurt zu stopfen versuchte.

Kann ich das Vaporkrar Waistpak von Nathan also empfehlen?

Das System ermöglicht es, eine 500ml-Flasche am Körper zu tragen, ohne mich – wie die meisten anderen Trinkgurte – großartig einzuschränken. Dadurch kann ich deutlich längere Strecken ohne Rucksack zurücklegen, sofern ich keine Extra-Ausrüstung wie zusätzliche Kleidungsstücke o.ä. mitnehmen muss. Aufgrund der Konstruktion ist die Kapazität zwar leicht eingeschränkt und schnelles Trinken wegen des fummeligen Verstauvorgangs höchstens mit reichlich Übung möglich, doch beide Kritikpunkte verschwinden in meinen Augen angesichts des wirklich guten Tragekomforts, der einen selbst mit eingelegter Flasche schnell vergessen lässt, dass man das Waistpak überhaupt dabei hat. Speaking of the flask: der mitgelieferte Flüssigkeitsbehälter ist ebenfalls seine Marie wert und kompatibel zu meinem Ultimate Direction Groove AMP Handheld. Dies lässt das Stirnrunzeln angesichts des überdurchschnittlichen Preises von 70€ zwar nicht ganz verschwinden, mildert es aber deutlich ab. Wer größeren Wert auf den Transport von Flüssigkeit legt und auf das Mitführen eines umfangreichen Buffets oder Ausrüstungsportfolios verzichten kann, sollte sich das Teil definitiv mal anschauen! Immerhin benutzt Jim Walmsley es ja auch 😉

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