Die schnelle Ausdauerziege: Hoka One One Speedgoat

Laaange, laaange habe ich darauf gewartet, diesen Schuh an die Füße zu bekommen! Nach einem Winter mit den Salomon Speedcross 3 habe ich am linken Fuß Probleme mit dem Innenband bekommen, so dass ich mich auf die Suche nach einer Alternative mit ähnlich aggressiver Sohle machen musste. Nach ersten, positiven Hoka-Erfahrungen mit dem Stinson 3 ATR und einem Frühling auf Asphalt (da Tortour de Ruhr und der Vivawest-Marathon anstanden) entschied ich mich schließlich, diesen hochgelobten, unter Mitwirkung der Ultratrail-Legende Karl „Speedgoat“ Meltzer entwickelten Trailschuh anzuschaffen. Was gar nicht so einfach war. Aber nach einigen Wochen war es dann endlich so weit und ich konnte den Schuh zum ersten Mal für einen Traillauf an meine Füße schnüren.

#hokaoneone #Speedgoat that long range trailtunning shoe

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Der Hoka One One Speedgoat besteht, von Süden aus betrachtet aus zahlreichem Polstermaterialfoo mit feschen und komplizierten marketingkonformen Bezeichnungen. Ich nenne sie hier mal „Sohle“. Diese „Sohle“ gipfelt in einer Hartgummifläche der Firma Vibram, die mit zahlreichen, größtenteils dreizackigen Stollen versehen ist. Die Verteilung und Form der Stollen lässt auf reichlich Grip in alle Richtungen (ja, auch zur Seite!) hoffen, wie auch die schiere (gleich zweifache) Anwesenheit des Vibram-Schriftzuges, bieten die Außensohlen dieses französischen Herstellers erfahrungsgemäß viel Sicherheit in allen Situationen.

A little wear after 120k #hokaoneone #Speedgoat

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Im Übergang zwischen Sohle und Obermaterial bieten leicht verdicktes Sohlenmaterial und eine schmale, aber ausreichende Zehenkappe Schutz vor schmerzhaften Missgeschicken im Umgang mit Fels- und Wurzelmaterial. Ein Kunststoffband verlängert diese Kappe bis unter die Knöchel und erhöht dadurch die Wattiefe des Speedgoat. Zwischen diesem Band und den Ösen der Schnürsenkel öffnen sich Lufteinlässe aus dünnem Mesh, die durch geschwungene Kunststoffebänder unterbrochen werden, welche von den einzelnen Ösen bis zum Sohlenansatz reichen und dem Speedgoat sein charakteristisches-aggressives und, wie ich finde, sehr gelungenes Aussehen verleihen. Die Ferse ist ebenfalls gepanzert und im oberen Bereich relativ dick und komfortabel gepolstert. Die Polsterung verläuft entlang des Gesamten Einstiegsbereichs, während die Zunge etwas dünner und außen kunststoffversiegelt ist. Das Material der Zunge verläuft weiter bis auf die Fußspitze, was das zweite charakteristische Designmerkmal des Schuhs bildet. Im Profil offenbart sich die typische Silhouette mit der betont-dicken Sohle. Die Farbkombinationen sind, wie wir es von Hoka gewohnt sind, alles andere als konservativ: meine grün-schwarz-blaue Variante mit der rosa Außensohle gefällt mir allerdings mit Abstand am besten.

Pro:

  • Der Schuh hat Grip! Auf dem Asphaltweg in den Wald machen die Stollen klettverschluss-ähnliche Geräusche – was wirklich zutrifft, denn selbst auf feuchtem Fels oder Asphalt kommt man noch gut voran – eine Eigenschaft, die ich nach einem Winter mit in dieser Hinsicht nicht besonders guten Speedcross 3 sehr zu schätzen weiß!
  • Auf technisch anspruchsvollen Abschnitten kommt man gut klar, trotz der dicken Sohle gibt es keinerlei Stabilitätsprobleme und ein hohes Tempo ist durchaus möglich. Auf steilen und technischen Downhills bin ich oft dankbar für die starke Dämpfung, denn die wird in diesen Momenten wirklich gefordert (hier kamen beim Speedcross auch spätestens Probleme mit meinem Sprungkelenk auf).
  • Durch die Höhe der Sohle ist es grundsätzlich kein Problem, dass es keine GTX-Variante gibt. Auch tiefere Schlammpassagen kann man so trockenen Fußes durchqueren.

Contra:

  • Allerdings hört der Spaß auf, sobald das Wasser von oben kommt: die Öffnungen auf dem Obermaterial sind zwar bei näherem Hinsehen gar nicht mal so groß, wirken aber z.B. bereits nach wenigen Metern durch knöchelhohes, nasses Graß wie ein Trichter und garantieren nasse Füße.
  • Im Bereich des Fußgewölbes ist der Schuh sehr eng geschnitten. Für Plattfußtypen wie mich kann das am Anfang sehr unangenehm sein und auch mal für Blasen sorgen. Dieser Effekt bildet sich wenigstens bei mir jedoch nach einer Weile zurück.
  • Dem Dealer zufolge hat das hauchdünne Mesh-Material bei einigen Läufern bereits nach 200km aufgegeben und ist gebrochen, weil getrockneter Schlamm es schnell spröde macht. Rollo empfiehlt deswegen, die Schuhe nach dem Laufen (z.B. mit einem weichen Schwamm oder Tuch) vom Schmutz zu befreien und sie anschließend gut trocknen zu lassen. Ich habe mich daran gehalten und kann nach 120km noch keine problematischen Stellen erkennen.
  • Vielleicht liegt es daran, dass ich Hokas meist recht groß trage: die stark gepolsterten Varianten kommen bei mir allesamt bei seitlichem Gefälle an ihre Leistungsgrenze. Durch ihre Höhe verstärken sie das Risiko seitlichen Umknickens; längere Passagen an stark abfallenden Hängen sind nicht gerade angenehm zu laufen, weil die Sohle zur Hangseite hin unter dem Fuß wegzudriften scheint.

Es gibt schon einige Kritikpunkte diesen Schuh betreffend. Ganz perfekt ist meine bisherige Erfahrung dadurch nicht, wobei ich ihn dennoch nicht schlecht nennen würde. Besonders in Sachen Gripp und dem allgemeinen Tragekomfort (abgesehen von den Problemen mit der engen Form, was aber individuell ist) ist der Schuh durchaus überzeugend, nicht zuletzt wegen seiner wirklich guten Dämpfung, die dennoch hohe Geschwindigkeiten zulässt und die Belastung für den Fuß auch nach Stunden gleich hält. Dennoch muss ich sagen, dass mir der Speedgoat für meine Bedürfnisse noch nicht wie das Ende der Fahnenstange vorkommt. Ich werde mir sicherlich auch noch entsprechende Schuhe von Altra ansehen; und auch im Hause Hoka sind mit dem Mafate und dem Mafate Speed ja noch zwei weitere Modelle im Angebot, die für groberes Gelände geeignet sind.

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