Hoka One One Bondi 5

Mit dem Bondi 5 hat Hoka eines seiner dienstältesten Zugpferde neu aufgelegt. Der Schuh, der äußerlich kein Geheimnis aus seinem maximalen Dämpfungsgrad macht, hat mich dabei mit seiner direkten Rückmeldung und Dynamik überrascht.Bondi – ein Name, der zum Träumen einlädt, denn es drängt sich sofort der gleichnamige Stadtteil von Sydney auf, an dessen Küstenseite jener berühmte Strand liegt, der für Surfer und Sonnenanbeter zu den großen Traumzielen auf diesem Globus zählt. „Was hat das alles mit einem Laufschuh zu tun?“, fragt sich der geneigte Leser jetzt sicher zu Recht! Ich habe nicht herausfinden können, wie das hier besprochene Exemplar von Hoka ausgerechnet zu dieser Bezeichnung gekommen ist; mir ist allerdings zu Ohren gekommen, dass unlängst ein Rennpferd nach diesem Strand benannt worden ist. Eventuell verbirgt sich irgendwo in der Verbindung zwischen dem Strand und dem Rennpferd das Tertium Comparationis, eine Verbindung mit der Geschwindigkeit, die uns den Namen erklärt.

Bondi Übersicht

Ein Schuh wie der Bondi 5, der eher wohlbeleibt und breit daherkommt, erscheint seinem unbedarften Betrachter angesichts einer Sohlenhöhe von über drei Zentimetern sicher höchst intransparent, wenn nicht gar zweifelhaft, doch wer die französische Firma mit dem hawaiianischen Namen kennt, weiß: hier trügt der erste Schein! Denn: der Schuh ist zwar der am stärksten gedämpfte, den Hoka zu bieten hat, doch wer ein plüschiges und schwammiges Gefühl erwartet, liegt komplett daneben. Der Schuh scheint eher für Fersenläufer ausgelegt zu sein, denn eine merklich weiche Dämpfung lässt sich beim Bondi 5 nur auf dem Achterdeck ausmachen. Wer zum Mittelfuß tendiert, bekommt es mit einem gut gedämpften, zugleich aber angenehm straffen und dynamischen Schuh zu tun, der auf Kurz- wie Mittelstrecken zu überzeugen weiß. Doch kommen wir zunächst zum Schuh an sich:

Bei der Farbgebung ist Hoka gewohnt fetzig unterwegs, wenn auch die Variante in Schwarz/Anthrazit eine arg monochrome und monolithisch-blockhaft wirkende Ausnahme bildet. Vielleicht ist das was für Leute, denen die Zweifarbigkeit von Zebras noch zu hektisch ist. Ich persönlich bevorzuge die blau-rot-gelbe Variante, die der orange-gelben und rot-schwarzen noch vorziehe.

Bondi innen

Obermaterial
Die Karosserie des Bondi 5 ähnelt vom Grundmaterial der des Vanquish 2: die Oberfläche mutet Neoprenartig an, ist auf dem Fußrücken stellenweise mit Lüftungsöffnungen versehen und oberhalb der Mittelsohle auf einem schmalen Streifen durch einen aufgedruckten Rahmen verstärkt, der ab dem oberen Schnürungsende den gesamten hinteren Schuh einhüllt. Einstieg und Zunge sind gewohnt dick gepolstert und die Schnürung erlaubt es, Schuh und Fuß einander so deutlich miteinander in Verbindung zu bringen, dass es wehtut – ja, wirklich! Allerdings schien mir mit der Heel-Lock-Schnürung die Zunge etwas zu kurz, denn bei meinen sehr langen Läufen habe ich Schmerzen auf dem Fußrücken bekommen, die mich zwangen, die Schnütung etwas zu lockern. Schlüpft man nun in den Schuh fühlt man auf dem Fußrücken die Kanten eines Rechtecks kurz hinter den Zehen. Dabei handelt es sich um die Naht der Zunge. Beim Vanquish 3, der das gleiche Merkmal aufweist, ist das zum schmerzhaften Problem für mich geworden, beim Bondi entgegen vorheriger Befürchtungen nicht. Hier sollte man beim Kauf also Vorsicht walten lassen. Am Heck umschließt der Schuh die Ferse seines Besitzers gewissenhaft und mit Nachdruck, aber ohne aufdringlich zu wirken. Kurzum: insgesamt mutet der Bondi wie ein brauchbarer Langstreckenschuh an!

Bondi oben

Mittelsohle
Die Mittelsohle des Bondi 5 bietet die übliche Hoka-Zaubertechnologie und umschließt den Fuß recht entschieden, was für guten Seitenhalt und Komfort sorgt. Sehr fürsorglich für jemanden, der dauernd mit Füßen getreten wird…

Bondi außen

Außensohle
Die Außensohle ist grundsätzlich weich, wie beim Clayton, und an den wichtigen Trittstellen vom Mittel- zum Vorfuß und an der Ferse mit härterem Material verstärkt, wie ich es schon vom Vanquish 2 gewohnt war. Das verspricht eine sehr haltbare Oberfläche, denn die Sohle meines Vanquish 2 sieht nach 1400 Kilometern deutlich be-, aber nicht sonderlich abgenutzt aus. Lediglich die kleine „Insel“ des Bondi aus (bei meinem Modell rotem) weicherem Material wird etwas stärker abgenutzt – die Zeit wird zeigen, ob dieses Merkmal zu einer potentielle Problemstelle werden kann.
Ein interessantes Nebenfeature ist, dass der Bondi 5 der erste Laufschuh mit Retro-Sounddesign zu sein scheint, denn die Sohle quietscht, wenn man aufglattem Untergrund den Boden streift, selbst auf Asphalt. Das erinnert mich ein bisschen an die Turnschuhe der späten 80er, stört aber nur die Nachbarn im Treppenhaus, wenn man um fünf Uhr morgens zu einer Ultralauf-Veranstaltung aufbricht. Nix wildes also.

Bondi unten

Laufverhalten und Fazit:
Insgesamt bringt der Bondi 5 die klassischen Hoka-Werte mit sich: starke Dämpfung bei verhältnismäßg geringem Gewicht ohne Abstriche bei der Dynamik. Nach fast 500 Kilometer mit und in diesem Schuh, u.a. zwei Mal über 50, ein Mal über 70 und beim WHEW sogar 100 Kilometer weit muss ich sagen, dass ich ihn grundsätzlich gerne laufe. Der Schuh ist sehr bequem, dämpft sehr gut, ohne schwammig zu wirken und sieht dabei auch noch recht gut aus, wie ich finde. Jedoch scheint es für mich einen recht kleinen Komfortbereich zu geben, wenn es um die Frage geht, wie fest ich den Schuh schnüren sollte, denn ich hatte bei den ganz langen Strecken stets entweder Schmerzen auf dem Fußrücken, oder, nachdem ich für den WHEW auf die Heel-Lock-Schnürung verzichtet hatte, große Probleme mit dem Iliotibialband, was mich ärgerlicherweise bis dato noch vom Laufen fernhält. Letzteres trat allerdings erst nach 50 Kilometern so langsam in Erscheinung, so dass der Schuh für die mittleren und kurzen Strecken definitiv und uneingeschränkt geeignet ist. In diesem eher kurzen Bereich habe ich viele 30er und kurz Läufe zwischen zehn und 21 Kilometern mit dem Bondi hinter mich gebracht, was absolut problemlos und komfortabel ging.
Für den Ultraläufer ist der Bondi 5 ein guter Allrounder, der in meinen Augen lediglich vom Vanquish ernstzunehmende Konkurrenz aus dem eigenen Haus bekommt. Wie immer gilt aber: ordentlich anprobieren, auch mal probelaufen und hier besonders auf die Schnürung achten.

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