100 Meilen mit dem Strom – die Tortour de Ruhr 2018

Einleitung

Hier bin ich also, am anderen Ende des schwarzen Regenbogens, die Schmerzen noch nicht ganz aus den Beinen vertrieben, und schüttle ungläubig den Kopf über so Vieles, was passiert ist – und, dass es passiert ist: sie ist Geschichte, die Tortour de Ruhr 2018, der zwei Jahre gehegte und verfolgte Traum ist in Erfüllung gegangen, die 100 Meilen gelaufen. Man sagt ja, dieser Moment sei derjenige, in dem man in ein tiefes Loch zu fallen drohe, da nun das Ziel abhanden gekommen sei. Das war mir stets unverständlich. Ich mag diese Leere, die Raum für Neues schafft. Zudem sind Kopf und Herz nicht leer, sondern ganz im Gegenteil randvoll! So viele Eindrücke, so viele Gefühle, so viele Wendungen, Erfahrungen, allesamt ein Schatz, eine Geschichte. Geschichten und Wege haben eine Menge miteinander gemeinsam, denn auch Geschichten sind Strecken;  sie führen durch ein Terrain aus Vorstellungen und Wissen, während die Tortour auf Asphalt, Schotter und Pflaster an jenem Fluss entlang führt, der sehr eng mit meiner läuferischen Entwicklung verbunden ist. Mit der Tortour ist nicht ein Ziel und damit ein Inhalt verloren gegangen, sondern mein Erfahrungsschatz gewachsen, meine Selbstbewusstsein weiter gestärkt und Vieles nochmal um einige Grade klarer geworden. Und: es geht nicht nur um das Abschreiten einer gewissen Distanz, nicht mal nur um die Verbindung der Liebe zum Laufen mit der zur Heimat, auch nicht „nur“ die Bewältigung der Aufgabe durch Aufbringen sämtlicher Qualitäten der eigenen Persönlichkeit: nein, es geht dabei um Wachstum in einer Gruppe von Menschen: einerseits das Zusammenwachsen dieser Menschen durch die gemeinsame Aufopferung für ein Ziel, andererseits auch dadurch, dass sie dadurch weit über sich selbst hinausgewachsen sind.

Die Tortour befördert genau diese Qualitäten, eben genau dadurch, dass sie so fordernd und quälend ist; und erst dadurch, dass sich Menschen ihr stellen und sie meistern oder bei dem Versuch grandios scheitern, wird sie mehr, als irgendein Datum und irgendeine Distanz: sie wird ein Bündel an Geschichten, eine Entwicklung von 0 auf 100, 160, 230 Kilometer. Erst durch das Laufen wird sie eine Geschichte, erst durch das Erzählen bleibt sie es:

Vorbereitung

Ich war recht verwundert über mich selbst, denn obwohl ich weiß, dass ich eher zu den gelassenen Läufern zähle, war meine Ausgeglichenheit aufgrund des rasant näherkommenden Tages der Wahrheit fast schon unheimlich. Das gab sich am Samstagmittag, als wir mit Kartoffelgratin und Getränken der Ankunft von Flo und René harrten. Nach ihrer Ankunft fielen wir uns alle in die Arme, genossen Caros Gratin und begannen fröhlich schnatternd, das Wohnmobil zu beladen: ein unbeleckter Passant hätte angesichts der Menge und Art an Essen und Getränken sicher eher einen 50-köpfigen Kindergeburtstag gedacht – aber dann hätte er wohl die Welt des Ultralaufens schlecht gekannt (irgendwer beschrieb letztens Ultraläufe als Bufffets mit kurzen Sporteinlagen)! Nach einigem Hexen mit dem Frischwassertank fuhren wir – nun doch endlich mit ein paar Hummeln im Hintern – gen Sauerland, um uns in Arnsberg-Neheim am VP 147 einzufinden, der den Startpunkt für die Hundertmeilen-Läufer darstellte.

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Wir fanden einen guten Parkplatz und ich begab mich zur Anmeldung, wo ich erfreulicherweise von Thomas Kühnen bedient wurde. Noch etwas benommen von all dem Trubel und den zahlreichen Begegnungen mit bekannten Gesichtern wankte ich mit meinem Starterbeutel in der Hand zurück zu meiner Horde. Als diese mich erblickte, ging ein Tuscheln durch die Gruppe und alle sahen mich an. Ich brauchte nicht lange, den Unterschied im Bild Äußeren meiner Crew zu erkennen, denn alle hatten Trucker-Hats mit dem aufgestickten Text „Tiger-Crew“ auf dem Kopf! Auch ich bekam einen Hut auf den reichlich perplexen Kopf gesetzt. Die Erkenntnis rollte wie auf einer Murmelbahn auf Abwegen durch meinen Kopf: „Hey, dann hab ich ‚Tiger‘?“ Unbeholfen betrachtete ich mich selbst in der Seitenscheibe unseres Hauptquartiers und fand meine Annahme bestätigt. Wirklich eine tolle Überraschung, die mich noch mindestens bis zum nächsten Tag aus dem Häuschen brachte und zu einem meiner ersten Beispiele für die Großartigkeit meiner Crew wurde, von der ich jedem berichtete, der es hören oder nicht hören wollte.
Es blieb noch über eine Stunde bis zum Briefing, und so lümmelten wir neben unserem Flomobil herum, bis es Zeit für mich wurde, mich zu Jens‘ kurzer Ansprache am ausgemachten Treffpunkt einzufinden.

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Der Abend

Start und Prolog

Nachdem Jens uns kurz eingewiesen und -gestimmt hatte, ging es auch schon auf die andere Seite des Geländes an den Start. Es blieben noch einige Minuten, während derer meine Crew und ich rumhibbelten, wir dummes Zeug mit den anderen Läufern redeten, uns gegenseitig Erfolg wünschten und High Fives austauschten. Dann endlich, gefühlte Stunden später, zählten wir von zehn herunter und liefen los.

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Die ersten 13,7 Kilometer ging es auf eine Prolog-Runde, die uns durch Neheim führte und ein paar Höhenmeter umfasste. Ich genoss das lockere Quatschen mit Rolli, dem Dealer, Sandy und Marina, kalauerte mit Jens Tekhaus herum und genoss die Abendstimmung in den Feldern. Ich hatte eine Handheldflasche an der Hand, doch merkte ich schon bei Kilometer acht, dass ich bereits 80% getrunken hatte. Das gab ich an meine Crew durch und bat sie, die geplanten Reserven zu erhöhen, so dass ich immer drei Flaschen dabeihaben würde – eine weise Entscheidung! Nach etwa anderthalb Stunden kam ich recht präzise zur geplanten Zeit wieder am VP an, wo Caro als meine erste Radbegleitung einstieg. Es lief, und es lief gut! Die noch vom WHEW leicht angeschlagene Kniekehle machte sich leicht bemerkbar, doch war ich nicht besorgt.

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Neheim bis Penny

So liefen wir die etwa 16 Kilometer bis zum nächsten VP in Fröndenberg, an dem Henning als Pacer zu uns stoßen würde. Wir bewegten uns in einem guten Tempo in Richtung Rheinorange, ich war zufrieden und der milde Abend war wirklich angenehm. Caro und ich sind inzwischen sehr eingespielt und ich genoss es sehr, mit ihr allein zu sein und ein bisschen zu quatschen. Wir überholten immer wieder einzelne Läufer, verbrachten ein wenig Zeit mit ihnen, bis sich unsere Wege durch eine Pinkelpause oder unterschiedliches Tempo wieder trennten. Recht früh überholten wir die ersten Voll-Tortouristen, die an ihrer 230er-Startnummer zu erkennen waren, und ließen ein freundliches Wort und einen Gruß da. Es lief und das Tempo war sehr angenehm!

Zwischen Wickede und Fröndenberg liefen wir durch die Felder, die im Licht des wundervollen Sonnenuntergangs ein traumhaftes Bild abgaben – Caro hielt kurz an und ich lief ganz allein in der friedlichen Abendstimmung, nur meine Schritte und leises Vogelgezwitscher in den Ohren; dieses Gefühl des Friedens müsste ich in eine Tupperbox kratzen und mitnehmen, dachte ich bei mir, es in mich aufsaugen und für später gut in einer Ecke verstauen. Denn es würde hart, dunkel und anstrengend werden, das stand fest.

Die Nacht

Penny bis Wellenbad

Caro gab den Bedarf an Essen und Getränken per Sprachnachricht an die Crew weiter, während wir nach Fröndenberg einliefen. Ich freute mich auf Henning, der die nächsten Stunden mit mir verbringen würde. Schon während des Prologs hatte ich damit  angegeben, dass der WHEW-Gewinner mich pacen würde! Bereits einige hundert Meter vor dem VP wurde ich von René und Flo erwartet – die beiden liefen neben uns her und führten uns auf denn Supermarktparkplatz, der für die Tortouristen zur Verfügung stand. Da stand unser Flomobil, reichlich Essen daneben und vor allem ein voll motivierter Henning! Wir begrüßten uns herzlich und ich aß, während Caro meine doch ein wenig mehr schmerzende Kniekehle tapte. Nach einigen Minuten und kurzer Absprache über den nächsten Treffpunkt am Wellenbad machten Caro, Henning und ich uns wieder auf den Weg. Das Tape erfüllte seine Aufgabe gut und ich konnte mit nur ganz geringem Schmerz gut weiterlaufen. Wir erzählten uns gegenseitig von unseren WHEW-Erlebnissen und sprachen über dies und das, während es um uns herum dunkel wurde. Die Temperaturen waren deutlich gefallen und ich erwartete, dass ich mich bald dicker würde anziehen müssen, doch es war in kurz/kurz nach wie vor gut zu ertragen. So liefen wir eine ganze Weile im Pulk mit einigen anderen Läufern. Als wir die Heidestraße hinaufliefen, meinte Henning, dass er jetzt schon ein wenig neidisch sei. Ich fragte, ob er die 100 Meilen-Distanz auf dem Schirm habe und er meinte, dass er ja wohl kaum bei 100 Kilometern aufhören könne. Recht hat er! Die Motivation merkte man Henning an: auf dem Gefälle der Provinzialstraße waren Caro und er vor mir und wurden immer schneller, bis ich rief „Hey, nehmt Ihr mich mit?“.
Inzwischen war es dunkel und wesentlich kühler geworden, und besonders Caro, die am wenigsten wärmende Bewegung hatte, litt darunter. Mir ging es in meinen kurzen Sachen immer noch gut – ich trank reichlich und musste etwa alle 30 Minuten am nächsten Busch halten. Flüssigkeitsversorgung fly, könnte man sagen!

Wellenbad bis Hengsteysee

Nachdem ich die lange Gerade vor dem Wellenbad schon vierzehn Mal angekündigt hatte, kam sie dann doch endlich. An der Landstraße wartete unser mobiles Hauptquartier auf uns und ich jammerte über schmerzende Innenbänder. Flo schlug einen Schuhwechsel vor und ich entschied mich dafür, die Claytons gegen meine Bondis zu tauschen. Ich saß eine Weile, aß und begrüßte Eric, der inzwischen dazugestoßen war. Wir entschieden, Eric am Hengsteysee gegen Caro auszutauschen, die inzwischen ziemlich müde und durchgefroren war. Vor dem Ende der 16km nach Hagen würde es keinen VP-Halt geben – das erschien mir okay.

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So liefen wir ordentlich frierend und steif los – ich hatte inzwischen eine Windjacke angezogen -, meldeten uns kurz beim VP (leider habe ich Sebastian nicht gesehen) und traten den Weitermarsch an. Wir liefen auf Matthias auf, mit dem wir eine ganze Weile quatschten, bis es mir zu langsam wurde und wir das Tempo wieder anzogen. Matthias machte einen guten Eindruck und lief stark weiter. Er würde die 230 Kilometer schaffen und sich für den Spartathlon qualifizieren, da war ich mir sicher!

Wir verloren leicht an Tempo, während wir Schwerte durchquerten; kein Grund zur Sorge. Das 22-Stunden-Ziel war ohnehin nur geraten, alles unter 24 Stunden erschien mir ein ziemlich gutes Ergebnis für den ersten 100-Meiler. Als wir durch das Hügelland nahe der A45 liefen, begannen meine Füße, wieder zu schmerzen. Es war stockduster und es zog sich, die Kilometeranzeige schien festzukleben. Minuten später, die sich wie Stunden anfühlten, tat meine linke Hüfte weh. Ich quengelte innerlich. Doch nicht schon so früh, bei Kilometer 60, zu leiden beginnen! Ich ignorierte die negativen Gedanken und die Schmerzen und lief einfach weiter. Ich kannte diesen Streckenabschnitt überhaupt nicht und konnte mich gar nicht orientieren. War es denn noch weit? Über all diesem Grübeln merkte ich plötzlich, dass die Schmerzen in der Hüfte und den Füßen wieder weg waren. Hier ist also der Kopf in Unruhe, dachte ich bei mir und schlug die negativen Gedanken so gut es ging zurück.

Passend zu dieser Erkenntnis wurde das Gelände vertraut wir waren jetzt nahe am Hengsteysee. Die Strecke bekam langsam wieder Konturen für mich. Wir überquerten die Ruhr und liefen am Hagener Ufer des Sees in Richtung Freibad, wo der nächste VP auf uns wartete. Auf dem Weg kam uns eine Radfahrerin entgegen, die wir verhalten grüßten. Ein paar Minuten später stellte sich heraus, dass es Antje war, die uns entgegengefahren war – wir hatten uns auf dem stockdusteren Weg schlicht nicht erkannt! Wir ließen sie wieder umdrehen und liefen derweil zum Freibad weiter. Ich gab im VP nur kurz Bescheid, schüttelte Maik die Hand und begab mich dann mit Henning und Caro zum Parkplatz, wo wie immer die Crew wartete. Eric war startbereit und Antje trudelte auch wenig später ein, so dass ich nach dem Genuss von etwas Brühe, Schokolade und einem weiteren Becher Cola, zu dem Flo und René mich bei jedem Treffen nötigten, die ersten Schritte vorging.

Hengsteysee bis Wetter

Ich brauchte immer ein wenig, um wieder reinzukommen und fühlte mich nicht so super. Der Kopf hatte noch die Oberhand. Wenigstens aber liefen wir von hier an in absolut vertrautem Gebiet! Zu viert ließen wir den Hengsteysee hinter uns und liefen am Harkortsee weiter in Richtung Wetter. Der Abstand zwischen Schwerte und Hagen war mir etwas zu groß gewesen, da kam es mir gerade Recht, dass bis zum nächsten Treffpunkt in Wetter nur sechs Kilometer zu überbrücken waren. Henning und ich quatschten noch ein wenig, da in Wetter mit Schluppe seine Ablösung bereitstand, und auch Antje und Eric waren miteinander ins Gespräch gekommen. Ich konnte über fast jeden Stein hier eine Geschichte erzählen, war der Weg am Minigolfplatz doch schon so viele Male Startrampe für Läufe der unterschiedlichsten Länge gewesen. In der Dunkelheit erschien die Umgebung für uns weit gereiste jedoch fremd, wie schlafend und der Welt entrückt; aber vermutlich traf das viel weniger auf die Umgebung, als vielmehr auf uns selbst zu.

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Körperlich ging es mir grundlegend gut, doch meine Stimmung war im Keller. Der mentale Akku brauchte jetzt dringend Energie! Wir liefen über den Seeplatz, der eine Insel aus Licht war, strebten den leichten Anstieg hinauf, überquerten die Bahngleise und liefen am Fuß der Ruhrbrücke am Mühlengraben entlang. An seinem Ende tauchte eine vertraute Gestalt im weißen Laufshirt aus der Dunkelheit auf: es war Schluppe. Wie bei auch später bei Thomas verspürte ich in den Minuten vor dem Pacerwechsel stets einen gewissen Abscheu demgegenüber, dass jemand Neues dort auf uns wartete, der bisher ja gar nicht dabeigewesen war und auch nicht nachfühlen konnte, wie es uns ging; doch dieses Gefühl sollte schnell der Freude über ein liebes Gesicht und frische mentale Energie weichen. Jemand Unverbrauchtes, der mit klarem Kopf dabei ist und neue Geschichten dabei hat, ist besonders in den in beiderlei Hinsicht dunklen Stunden sehr wichtig und wertvoll! Ganz besonders in diesem Fall, bei Schluppe, mit dem ich ein für die Nacht kampferprobtes Duo bildete, traf dies zu; so nahmen meine zuvor von Zweifeln vernebelten Gedanken förmlich mit dem Bild Schluppes vor mir wieder scharfe Konturen an, die Freude wich der Angst und wir begrüßten uns herzlich.

Schluppe begleitete uns um die Ecke, wo der Weg mit der Straße verschmolz und unsere Crew erkennbar wurde. Neben dem Wohnmobil warteten nicht nur Caro, Flo und René, sondern auch Kathi, die für eine Weile bei uns blieb. Ich durchlief das übliche Programm und schob mir schlussendlich noch ein dargereichtes Mars in den Mund. Da stand ich, im Kreis meiner Truppe und ließ mir nicht anmerken, dass mir davon kotzübel wurde.

Wetter bis Bommern

Mit Mühe würgte ich die Schokolade herunter und ging die ersten zweihundert Meter, bis ich mich wieder in einen Laufschritt befahl. Schluppe war im vollen Betreuungsmodus und wir verfielen in unsere üblichen Gespräche. Ich erläuterte kurz den bisherigen Verlauf und wir scherzten, während wir das kurze Stück bis zur alten Ruhrbrücke liefen, an ihrer Flanke den Fluß querten und auf das etwa vier Kilometer lange Stück durch die Ruhrauen nach Wengern einbogen. Der Weg lag stockdunkel und still vor uns und wir quatschten fröhlich in unserer Viererrunde. Es wurde wieder besser! Die Steigung von der Ruhr auf die Trasse in Wengern gingen wir und liefen erst wieder weiter, als wir im Trassengefälle angekommen waren. Am Ende der Trasse ging es durch das Wohngebiet, bis wir wieder auf dem eigentlichen, aber momentan gesperrten Radweg ankamen.  Schon waren die nächsten acht Kilometer geschafft. Ich nutzte die Pause, um zum ersten Mal den Luxus des Campingklos in Anspruch zu nehmen (ich muss sagen, dass die beengten Verhältnisse die Abseiltätigkeiten und anschließenden Hygienemaßnahmen nicht gerade einfach machten). Es war inzwischen halb fünf und ich verbrachte die kreative Pause damit, allerlei Nachrichten zu beantworten. Anschließend aß ich, und nach einer doch recht lang gewordenen Pause machten wir uns wieder auf den Weg – auch der nächste Sprung stellte mit sechs Kilometern eine überschaubare Strecke dar.

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Bommern bis Herbede

Es dämmerte jetzt merklich, am Horizont war bereits der erste Silberstreif zu erkennen und wir liefen tapfer weiter. Der achtzigste Kilometer war bereits vor der Pause an uns vorbeigezogen und wir feierten den Anbruch der zweiten Hälfte ebenso, wie den des Tages! Auf der Nachtigallbrücke schwärmte ich vom typischen Ruhrgebietsidyll – Ruhrauen mit Stahlwerk – und Eric blieb eine Weile zurück, um sich umzusehen und Fotos zu schießen.

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Wir liefen entlang der Herbeder Straße, lachten über Schluppes Geschichten und die völlig verwirrten Sprachnachricht, die er aus meinen komplizierten Wünschen an die Crew absetzte, während es vollkommen hell geworden war.

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In der nächsten Kurve bog der Weg von der Straße ab und folgte dem Ruhrbogen, der eine letzte Kurve vor seiner Mündung in den Kemnader See beschrieb. Wir waren jetzt direkt am Wasser und liefen mal wieder auf Thomas Eller auf und blieben einen Moment auf seiner Höhe, um ein paar Worte zu wechseln. Während der Nacht hatte Thomas sich nicht gut gefühlt, war aber mittlerweile aus dem Tief herausgekommen und wirkte sehr frisch und vergnügt. Wir scherzten eine Weile, bis wir hinter der Schleuse wieder in unser Tempo verfielen. Ein paar hundert Meter später erreichten wir auch schon die Lakebrücke, die uns über den Fluss führte. Auf der Brücke warteten Flo und Kathi und am anderen Ufer der offizielle VP, in dem ich mich nur kurz meldete und zu meiner Crew abbog. Ich traf auf zerknautschte Gesichter, denn der erste Schlaf der Nacht hatte der Tiger-Crew noch nicht die volle Kraft zurückgegeben. Dennoch kümmerten sich natürlich alle um mich, reichten mir Essen, hüllten mich in eine Decke und Caro holte mir meine Zahnbürste, damit ich den Zuckerbelag mal aus dem Mund bekam. Das tat gut! Am besten war aber: es machte wieder Spaß! Ich war motiviert! Ich wollte das Ding zu Ende bringen! Wir planten die nächsten Schritte und verabredeten uns für Hattingen, immerhin elf Kilometer entfernt.

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Der Morgen

Herbede bis Hattingen

Motiviert liefen wir vier wieder los, verfielen ins Quatschen und wurden noch vor dem See vom ersten 100km-Läufer überholt. Wir jubelten ihm zu, er jubelte zurück und wir freuten uns über die Abwechslung. Am See, den ich so oft schon umrundet hatte, begegneten uns vereinzelte Spaziergänger und Morgenläufer, doch die meiste Zeit war es wundervoll menschenleer.

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Es lief sehr gut und die Kilometer schienen wieder schneller an uns vorbeizuziehen. Das Wehr am Ende des Sees kam schnell in Sicht und wenig später waren wir auch schon auf der Brücke und bogen auf der anderen Seite in die Ruhrauen in Richtung Hattingen ein. Wir folgten dem Radweg, während ich von den zahlreichen 30ern und Ultrastrecken erzählte, die ich auf diesem Streckenabschnitt schon absolviert hatte. Ich wies auf die Blankensteiner Burg hin und wie schön die Felder neben der Ruhr hier sind – wenig später erreichten wir die Koster Brücke.

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Hier, bei Kilometer 94, ging mir ein wenig die Energie aus – ich war hundemüde und ein wenig verzweifelt, wie ich die Müdigkeit in den Griff kriegen würde. Wir liefen wieder auf Thomas und Georg auf und ich entschied, eine Weile mit ihnen zu gehen. So redeten wir zu viert dummes Zeug, hatten Spaß und ein wenig Ablenkung.

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Erst an der Rauhendahler Straße zwang ich mich wieder in den Laufschritt. Von hier waren es kaum noch zwei Kilometer bis zum Treffpunkt. Dieser Abschnitt konnte bei Regen und starkem Wind wirklich höllisch sein, doch heute, im Morgenlicht, blieb er ganz friedlich und ließ uns passieren. Hinterm Campingplatz bogen wir um die Ecke und entdeckten unser Wohnmobil. Ich ließ mich in den Stuhl fallen und jammerte wegen der Müdigkeit, während ich aß. Wenn ich Kaffeetrinker wäre, sagte ich, würde ich jetzt einen Trinken. Schluppe zog Schokakola aus seinem Rucksack, eine stark koffeinhaltige Schokolade, und reichte sie mir. Ich nahm gleich drei Stücke, was etwas mehr als einem Espresso entsprach und erhob mich ächzend aus dem Stuhl. Nur noch etwas mehr als 60 Kilometer!

Hattingen bis Dahlhausen

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Es würde warm werden, das stand fest, und ich bemühte mich, mit guter Pace voranzukommen, was mir auch gelang. Die Sonne stand bereits am Himmel und ich bemühte mich auch beim Trinken um eine gute Schlagzahl. Die Pipi-Pausen blieben zahlreich und das Pipi klar – ich machte also Einiges richtig! Als wir die 100km-Marke überquert hatten, folgte wieder eine kleine Feier innerhalb unserer Gruppe, die nun um eine Antje ärmer war, denn ihr Abschnitt war in Hattingen zu Ende gegangen und wir hatten uns noch herzlich verabschiedet, bevor wir weitergelaufen waren. Um die Wirkung der Schokakola zu unterstützen, hatten wir die Bluetooth-Box aktiviert; es lief Musik von meinem Handy, was half. Der Gegenverkehr wurde jetzt stärker und wir kamen gut voran. Im Scheitel der Flußbiegung wartete eine Überraschung auf uns, denn dort stand Thomas, den wir freudig begrüßten. Da wir etwas Verzug hatten, war er uns ein Stück entgegen gefahren, um uns anzufeuern. Wir tauschten ein paar Worte und verabschiedeten uns auf später. Kaum einen Kilometer lehnte dann Fred mit seinem Rennrad am Geländer, der uns bis Dahlhausen begleiten wollte. Wir liefen die restlichen vier Kilometer also wieder als Vierergruppe in dem für mich schon vertrauten Turnus aus Schritten, Atmen und Trinken. Es war nicht ganz ohne Anstrengung, wie das nach fast 15 Stunden so ist, aber es lief. Kein Grund für Beschwerden also!
Auf dem letzten Kilometer vor Dahlhausen zog mich dann der VP an und ich erhöhte das Tempo etwas, bis wir die Schwimmbrücke erreichten, wo unsere Ankunft von so vielen Freunden bejubelt wurde – Frank, mein Tortour-Mentor war da, außerdem wie auch schon beim WHEW Michael und Saskia, außerdem natürlich Flo, der das Wohnmobil auf der anderen Fluss-Seite geparkt und die anderen Schlafen lassen hatte. Er besorgte mir am VP Essen und ich berichtete den anderen, während ich mir noch ein paar Kartoffelstücke mehr herunterwürgte. Bevor ich weiterlief, erreichte Thomas, der Lennetaler, den VP und wir quatschten kurz.

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Dahlhausen bis Steele

Das nächste Ziel war Steele, wieder sieben Kilometer entfernt. Ich litt ein kleines Bisschen, doch Eric und Schluppe hielten mich gut in der Spur, erinnerten mich daran, zu trinken und auch die Musik motivierte mich. Wir passierten den Campingplatz, bevor die Horster Mühle in Sicht kam, ließen den Strommast mit den bunten Scheiben hinter uns und überquerten die kleine, steile Brücke am Holteyer Hafen, wo eine Feiertagsgesellschaft uns anfeuerte. Zwei weitere Kilometer folgten wir dem Fluss, bis die Ruhrbrücke in Steele in Sichtweite kam, wo das Flomobil auf uns wartete. Am VP fühlte ich mich wieder etwas müde. Wortlos wurde mir die Schokakola hingehalten – ich griff drei Stücke, aß noch ein wenig und wir gingen nach einer wieder viel zu langen Pause weiter. Die 22er-Pace von 8:08 zu erreichen erschien mir angesichts der 8:40 auf der Uhr nicht im Bereich des Möglichen und ich legte die Sub-24 endgültig als neues Ziel fest.

Steele bis Baldeneysee

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Mir war ein wenig flau und ich musste mich immer für eine Weile motivieren, bevor es wieder ins Laufen ging. Ich zwang mich jedoch in den Laufschritt und wir liefen drei zwischen Sonne und Schatten wechselnde Kilometer, bis wir die „zornige Ameise“ erreichten. Hier querten wir die Konrad-Adenauer-Brücke und tauchten in die Ruhrauen von Heisingen ein. Eric war mittlerweile unerbittlich und ermahnte mich immer abwechselnd, zu trinken und nicht zu nahe am Bärenklau-verseuchten Wegesrand zu laufen. Ich murrte hin und wieder, wie ein ertapptes Schulkind, gehorchte allerdings brav und konzentrierte mich auf meine Aufgabe: weiterlaufen. Der letzte Marathon und sein berühmter VP kamen nun ich Reichweite – eine wichtige Etappe! An der roten Mühle trennte sich unser Weg für eine Weile vom Fluss; wir liefen unter der A44 hindurch und erreichten wenig später die Abbiegung an der Kampmannbrücke, wo unser VP aufgebaut war und auch Thomas auf uns wartete. Mir war in den letzten Minuten etwas schlecht gewesen und ich beschloss, einen zweiten Shit-Stop einzulegen. Im Anschluss aß ich, ruhte mich einen Moment aus und nahm Thomas als neuen Pacer in Empfang. Ich freute mich auf seine ruhige und ausgeglichene Art und auch, dass Schluppe noch so lange wie möglich dabei bleiben wollte. Während er sich noch ein wenig stärkte und Caro das Fahrrad wieder von Eric übernahm, liefen Thomas und ich in Richtung VP „Nur noch Marathon“ weiter. Wir überquerten die Holzbrücke am Anfang des Sees und stiegen hinab zum VP. Ich gönnte mir einen Becher Cola und lief los, nachdem auch Schluppe wieder bei uns war.

In the Heat of the Afternoon

Baldeneysee bis Werden

Es lief wieder recht gut und so kamen wir gut voran: bei Haus Scheppen war selbst für Baldeneysee-Verhältnisse die Hölle los und ich war froh, als wir diese Stelle hinter uns gelassen hatten. Kurz vor der Staumauer wartete mit meinem Bruder die nächste Überraschung auf mich. Ich legte eine längere Gehpause ein und berichtete ihm, bis wir den nächsten Treffpunkt in Werden erreicht hatten. Er stieg wieder in sein Cabrio, ich löffelte meine Brühe und aß ein wenig, bis ich mich wieder auf die Füße zwang.

Werden bis Mintard

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Wir querten das große Brückenbauwerk und gelangten wieder auf den Radweg auf Flussniveau. Ich hielt noch einmal an, um auszutreten; als ich danach wieder anlaufen wollte, war mir ziemlich unwohl. Zu wenig Flüssigkeit konnte es nicht sein, das war bei der Pipipause klar geworden. Energiemangel war direkt nach der Pause auch ausgeschlossen, das konnte es also auch nicht sein. Wir gingen eine ganze Weile und überlegten – am Wegesrand stand Matt Schaake, der mich herzlich begrüßte und anfeuerte. Ich berichtete von meinen Problemen und er sagte, ich sehe sehr stark aus und ich solle mir keine Gedanken machen, das werde bald schon wieder, das sei sicher die Hitze. Eine gute Idee, wir mussten kühlen! Ich tränkte mein Shirt und meinen Buff mit Wasser und es wurde schlagartig besser. Ich suchte eine gute Stelle in meiner Playlist aus und wir drehten die Musik laut auf. Schluppe lief mit der Box in der Hand vor mir her und ich folgte ihm im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Fuße – das klappte und wir wurden fast ein wenig zu schnell! Mit lauter Musik, teilweise unter Kopfschütteln entgegenkommende Ebike-Rentner, liefen wir schwungvoll bis nach Kettwig, wo ich den nächsten Treffpunkt wähnte. Flo hatte mir gesagt, es seien nur sieben Kilometer bis dorthin, doch eine um die andere Chance vor der Mintarder Brücke zog ungenutzt an uns vorbei. Mir wurde klar, dass der Wohnmobil-Captain mich ein wenig hinters Licht führte, weil er die Abschnitte für zu kurz hielt. Es lief gut und ich stimmte ihm zu, denn die Pausen waren durchweg zu lang gewesen. Da half nur eine höhere Schlagzahl. So ließen wir Kettwig hinter uns und liefen durch die Felder bis nach Mintard, wo die große Brücke bereits auf uns wartete. Am Ortseingang stand unser Flomobil – ich stärkte mich, bekam Cola und Schokolade gereicht und wurde wieder auf die Laufstrecke geschickt. Thomas, Schluppe, Caro und ich gingen bis zum legendären VP direkt unter der Brücke, tranken eine Cola und gingen fleißig weiter, nachdem ich registriert war und wir mich erneut nass gemacht hatten.

Mintard bis Mülheim

Caro und Schluppe blieben eine Weile zurück, so dass Thomas und ich alleine weitergingen. Da wir an dem großen Reiterhof vorbeikamen, erzählte Thomas mir einen vom (eigenen) Pferd und lenkte mich ab, bis ich mich endlich zwang, weiterzulaufen. Nach einer Weile kam Schluppe mit einem riesigen Ast an und meinte, der Schatten werde mir gut tun. Ich fand das erst ein wenig albern, merkte aber bald, dass er Recht hatte. So liefen wir den letzten Halbmarathon, ich immer beschattet von einem meiner beiden Pacer, während der andere mich zwang, regelmäßig die Cola zu trinken, zu der ich mittlerweile gewechselt war.

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Wir liefen die drei Kilometer lange, staubige Piste entlang, kreuzten die Mintarder Straße und liefen hinauf auf den Damm, der uns wieder nahe an den Fluss heran- und durch die Ruhrauen führte. Die Sonne schien hier unerbittlich, doch nicht für mich – „Deine Crew bringt Dich da durch!“ ging mir durch den Kopf, während Thomas den Ast über meinen Kopf hielt; spätestens jetzt, rund 18 Kilometer vor dem Ziel, war mir klar, wie wahr dieses Motto jeder von Jens‘ Infomails war  – es wurde zu meinem Mantra; diese Leute, die neben mir herliefen, die beim nächsten Treffpunkt auf mich warteten, mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen versuchten und auch oft besser wussten, was gut für mich war, hielten mir den Rücken und meinen Blick auf die einzig wichtige Richtung frei: nach vorn. Auf Höhe der Sportanlage fing mein rechter Fuß unter dem Druck der Schuhbindung an, fürchterlich zu schmerzen – ich quengelte ein wenig, woraufhin Schluppe ein Pärchen von der nächstgelegenen Bank herunterkomplimentierte, mich dorthin bugsierte und einfach das oberste Loch der Bindung herausnahm. Eine einfache Lösung, auf die ich in diesem Moment nie gekommen wäre und sofort Abhilfe brachte. Wieder etwas glücklicher, verließen wir die Ruhrauen und erreichten die B223, die uns in Richtung Stadthalle führte. Das Wohnmobil, meldete René, stünde einige hundert Meter von der Strecke entfernt in die Gegenrichtung. Ich hatte inzwischen gemerkt, dass es mir beim Laufen am besten ging. Von Essen wollte mein Magen eh nichts mehr wissen, also entschied ich, Caro die Flaschen auffüllen zu lassen und selbst mit Schluppe und Thomas schon mal weiterzulaufen. Wir wechselten die Straßenseite, um den Schatten auszunutzen und liefen langsam weiter. Einen Moment später überholte uns das Wohnmobil und Flo motivierte meine Pacer im Vorbeifahren auf seine ganz eigene Weise…

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Mülheim bis Ruhrstadion

Wir überquerten die Kreuzung zur Stadthalle und betraten den zugehörigen Garten. Wir kamen direkt am Wasserspielplatz vorbei, wo ich mich einfach einen Moment unter den Wasserfall stellte, um mich wieder abzukühlen, was sich als wundervolle Idee herausstellte. Eigentlich war ich seit Werden nie wieder richtig trocken geworden und jeder neue Schwall Wasser, den mir mein Team oder ich selbst über den Körper gossen, kühlte mich entscheidend ab. Wir liefen durch den Park, während ich wieder etwas gesprächiger wurde, genossen den Schatten und die leichte Brise, bis wir an die Schnecke gelangten und für den Aufstieg zum B223-Zubringer eine Gehpause einlegten. Hier wurde mir ein Mars aufgezwängt, mit dem Thomas mich fütterte – ein Fehler, wie sich herausstellte, denn danach war mir eine ganze Weile übel. Mein Gefühl, nur noch Cola trinken zu wollen, war richtig gewesen. Es waren noch rund 15 Kilometer. Die Übelkeit war nervig, aber beherrschbar, ich lief immer noch gut, wenngleich ich wusste, dass es noch eine Weile dauern würde, bis wir das Ziel erreichten. Ich finde diesen Augenblick einen der schlimmsten, wenn es eigentlich nicht mehr weit ist und ich weiß, dass ich die Strecke definitiv schaffen werde, mich aber vorher noch durch soundsoviel Kilometer werde durchbeißen müssen: es gibt keinen Grund für Mitleid, es gibt keine Linderung, nur noch Dich, Deinen Körper und diese paar Kilometer, die Du noch überwinden musst. Wir eierten die kleine Steigung auf den Broicher Damm hinauf, überquerten den Fluss auf der Styrumer Brücke und liefen auf den berühmten Turm des Wassermuseums zu. Wie gerne hätte ich mich in diesem Moment mit allen kühlenden Aspekten von Wasser beschäftigt! – im selben Moment goss mir Thomas wieder etwas Wasser über die Schultern. Wir ließen die Szene hinter uns und liefen auf das offene Stück vor dem Wasserwerk. Schluppe machte Versuche mit einem Stück Pappe, das mehr Schatten spenden würde, aber auch die Sicht versperrte und deutlich anstrengender zu tragen war. Der Ast, der unterdessen ein wenig gelitten hatte, blieb so unser Favorit. Auf den 800 Metern, die uns schnurgeradeaus an der A 40 entlangführten, studierte ich die Uhr. Bereits seit einigen Minuten hatte ich die Distanz durchgerechnet. Mittlerweile liefen wir auf die 151km-Marke zu, was bedeuten würde, dass nur noch zehn Kilometer blieben. Ich hatte mich eine Weile an dieser Erkenntnis festgehalten, doch hier, in dieser Hoffnungslosen Szenerie aus Asphalt, wurde mir klar, dass wir am Ende dieses Abschnitts zum Ruhrstadion kommen und da erst den Punkt „nur noch elf Kilometer“ erreichen würden. Das machte rational betrachtet nicht viel, aber mir war übel, ein wenig schwindelig und ich wollte dringend ankommen! Kurz bevor wir die Straße queren mussten, kam auf der anderen Seite der Rampe eine wohlbekannte Gestalt in Sicht: Henning hatte sich die Zeit genommen und war zum Zieleinlauf nochmal zu uns gestoßen! Das freute mich sehr, denn ein frisches und liebes Gesicht war in meiner abgekämpften Crew immer willkommen!

Die härtesten 11 Kilometer meines Lebens

Ruhrstadion bis Rheinorange

Am Ruhrstadion angekommen zwängte ich mich ein letztes Mal in die enge Nasszelle des Wohnmobils, in der Hoffnung durch ein wenig mehr Platz in den Eingeweiden die Übelkeit zu lindern. Ich öffnete das Fenster, zog das Rollo runter und tat, was Ultraläufer tun müssen, als nach einiger Zeit plötzlich das Rollo nach oben schnackte und meine gesamte Crew und ich uns verdutzt in die Augen sahen. Es folgten dumme Sprüche und großes Gelächter, was die Stimmung auch bei mir etwas hob. Wieder auf den Beinen, ging es mir dennoch ziemlich dreckig. Ich bekam erneut eine kalte Dusche, woraufhin es mir sofort wesentlich besser ging. Schluppe blieb bei der Bodencrew zurück, denn er hatte mit 81 Kilometern, übrigens seiner weitesten Distanz ever, sein Soll mehr als erfüllt! Thomas, Henning und ich kraxelten den Damm des Parkplatzes hinab auf die Strecke, wo Caro uns in Empfang nahm. Wir umliefen den Ruhrpark, durchquerten das letzte Wohngebiet und liefen hinauf auf den Damm oberhalb der Alstader Ruhrauen. Am Biotop war es einigermaßen schattig, und wo nicht, sprang Thomas mit dem Busch ein. Vor der A3 bogen wir links ab und folgten der langen und staubigen Piste, die der Schwingung der Ruhr folgte und uns schließlich unter Autobahn, Bahnstrecke und Emmericher Straße hindurch führte. Ich litt gewaltig, aber ich führte mir immer wieder vor Augen, wie sich die letzten paar hundert Meter vor dem Ziel anfühlen würden, was neue Kräfte in mir mobilisierte.
An der Tauchschule stand wieder das Wohnmobil mit der Bodencrew, der nur das Nachfüllen der Colavorräte zukam, während sie mir zujubelte. Wir liefen ohne Unterbrechung weiter und bogen am Rhein-Herne-Kanal in den letzten Abschnitt ein: nur noch der Hafen lag jetzt zwischen uns und dem Ziel, vier bis fünf Kilometer waren noch zu überstehen!
Ich bekam eine letzte kalte Dusche und lief, nur mit meinem mobilen Schatten, keuchend über die Brücke, die über den Verbindungskanal führte. Einige hundert Meter später liefen wir ein letztes Mal auf Georg auf, der Platz machte, nach vorn zeigte und sagte „Bitte, Ihr habt es Euch verdient!“ – eine tolle Geste! Wir schlugen ein und ich keuchte weiter den langen Damm entlang, an dessen Ende die letzte Ruhrüberquerung auf uns wartete – und nicht nur die, denn René kam uns entgegen und brachte frohe Kunde, dass das Ziel nicht mehr weit sei!

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Ich lief, flankiert von meiner Crew, stöhnend auf die Brücke, ächzte das letzte Stück am Damm entlang und stellte mich darauf ein, dass sich die letzten zwei Kilometer ziehen würden, doch nach sehr kurzer Zeit überliefen wir die im Boden eingelassene Platte mit der Inschrift „Rheinorange 1800m“ – hier waren wir schon? Das orangene Ziel unserer Bemühungen entzog sich noch unserem Blick, aber ich wusste, dass es erst sehr spät in Sicht kommen würde.

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Alle jubelten auf – ich suchte den letzten Song für den Zieleinlauf aus und wir gaben Gas, zwischendurch sprang die Pace auf deutlich unter 5 Minuten! Entgegenkommende Finisher jubelten uns zu und ich genoss den letzten Kilometer, so gut es nach 34 wachen Stunden noch ging.  Wir liefen den Damm hinab auf den Weg zum Rheinorange – hier nahm uns Thomas Kühnen auf dem Rad in Empfang und verschaffte uns laut rufend Platz. Die gesamte Crew lief jetzt mit und blieb lediglich auf den letzten 50 Metern zurück.

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Alles jubelte und die Skulptur, auf die ich mich 23 Stunden und 51 Minuten lang jeder einzelne meiner Schritte zu geführt hatte, erklang donnernd, als ich mit beiden Händen anschlug!

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Ich jubelte und erhielt von Jens die fette Medaille – es folgten die üblichen Fotos mit der besten Crew der Welt und nochmal mit Caro allein, die nicht nur beim Laufen immer an meiner Seite ist!

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Wir machten den nachfolgenden Finishern Platz, lümmelten auf der Wiese herum und bejubelten jeden, der ankam. Da der ursprüngliche Zeitplan um fast zwei Stunden gekippt war, machten wir uns recht bald auf den Weg zurück. Caro bugsierte mich auf dem Gepäckträger ihres Fahrrads und Eric und ich fuhren unter den neidischen Blicken vieler anderer Finisher, die wir überholten, zum Wohnmobil. Dort zog ich mich um, wir verzurrten die Ladung und es ging wieder zurück nach Hause. Wir quatschten fröhlich, während ich mich hin und wieder vor Gelenkschmerzen krümmte und malten uns gegenseitig die Größe und dicke der Pizzen aus, die wir bestellen wollten. René hatte sich in Duisburg schon wieder auf den Heimweg gemacht, und so blieben Caro, Eric, Flo und ich. Zu Hause angekommen, wurde ich in eine Decke gewickelt und auf einen Stuhl gesetzt, während die Anderen aufräumten – wenigstens die Aufgabe des Pizzabestellens fiel mir noch zu, so dass ich mich nicht ganz so nutzlos fühlte. Nach einer Weile saßen wir schließlich mit Frankenstoff, Pizza und Freunden zusammen und ließen den Tag ausklingen. Es war unterdessen neun geworden; während Flo erzählte, fielen Ton- und Bildspur bei mir immer wieder aus – es war wohl nach 36 Stunden auf den Beinen Zeit, die Bettkarte zu stempeln. Ich verabschiedete mich von allen, quälte mich die Treppe hinauf und fiel murmelnd ins Bett, wo ich nach Sekunden ein- und neun Stunden durchschlief.

Am nächsten Morgen – Schluppe war abends nach Hause gefahren – frühstückten Caro, Eric, Flo und ich gemeinsam, räumten die letzten Dinge auf und verabschiedeten Flo, der die lange Heimreise antrat. Ich fuhr Eric zum Hengsteysee, wo sein Auto und noch einige andere Tortour-Versorgungsfahrzeuge abgestellt waren. Eric war von der Veranstaltung geflasht, soviel kann ich sagen. Ich setzte mein letztes Teammitglied ab, wir verabschiedeten uns herzlich und fuhren unserer Wege.

Fazit

Feine Menschen

Nun bin ich also um eine Geschichte reicher, habe viele Erfahrungen gesammelt und erlebt, wie Viele meiner Unterstützer weit über sich selbst hinausgewachsen sind. Die Tortour war eine große sportliche Herausforderung für mich, wie jede neue Distanz, der ich mich gestellt habe, doch wie ich eingangs schrieb: Ultralaufen fordert das im besten Sinne Menschliche in uns heraus – und das nicht nur beim Läufer, sondern auch bei der Crew. Die Erfahrungen dieser Stunden hat uns zu einer Gruppe zusammengeschweißt, uns Vieles gelehrt und uns wenigstens für eine kurze Zeit besser gemacht! Ich bin mächtig Stolz darauf, was meine Crew für mich geleistet hat!

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Caro hat trotz ihrer knappen Zeit die Koordination übernommen; sie kennt mich als Mensch und als Ultraläufer sehr gut und hat sich selbst sehr viel abverlangt, damit ich eine gute Zeit habe, sehr viel mehr, als Worte ausdrücken können! ❤

Flo hat von Anfang an so viel Begeisterung für die Tortour mitgebracht und die Vorbereitungszeit für mich zu einer besonderen Reise gemacht. Als Wohnmobil-Captain und Antreiber hat er seine besten Seiten ausgespielt und ist mir mit seiner sympathischen Art sehr ans Herz gewachsen. Ich mag seinen Enthusiasmus, seinen Humor und seine Kreativität sehr gern, er ist nicht nur als Läufer ein menschlicher Zugewinn!

René ist einfach eine Persönlichkeit! Spaßminister, Sidekick des Wohnmobil-Captains, hat er immer den Blick für’s Detail gehabt. Ein wahrer Gewinn für die Stimmung, hat er als „wir sind gleich da“-Ankündiger bei Kilometer 159 eh einen Stein im Brett!

Henning ist Pfeilschnell und hat schon in seiner Eigenschaft als WHEW-Gewinner meinen Lauf geadelt. Er mag das Ultralaufen genauso wie ich, ist ein sehr sympathischer Typ und wir haben – abseits der Geschwindigkeit – eine Menge gemeinsam. Ich bin sicher, dass wir von ihm noch eine Menge hören werden und freue mich auf weitere gemeinsame Kilometer!

Antje und ich kannten uns nur von Twitter – umso toller fand ich es, dass sie mich unterstützt hat. Als Nachtbegleitung hat sie einen tollen Job gemacht und mir den Rücken gestärkt. Es ist schade, dass sie am Ende nicht dabei sein konnte, doch auch sie hat einen großen Anteil am Erfolg unserer Bemühungen!

Kaum jemand kann positiver sein, als Eric. Er hat der Gruppe so viel positive Energie gegeben und mich doch in den Ruhrauen stets auf Linie gehalten. Es gab kein einziges Crewmitglied, das er nicht beeindruckt hat, auch, wenn wir nicht immer jedes Wort des gebürtigen Sachsen verstanden haben! Ich wette, wir treffen ihn in zwei Jahren an der Ruhr wieder!

Sperr‘ Schluppe und mich in einen Raum und Du wirst nach einigen Minuten Gelächter hören. Absoluter Kopfmensch, wächst dieser Mann regelmäßig über sich selbst hinaus. Bereits beim METM hat er bewiesen, zu welchen mentalen Leistungen er in der Lage ist; dabei ist er stets zutiefst menschlich geblieben. Nicht erst seit der Tortour verbinden uns viele dunkle Stunden und hunderte Kilometer, in denen wir zu einem echten Duo geworden sind. Ich freue mich schon auf das nächste gemeinsame Abenteuer!

Kathi hat zwar auf mehreren Hochzeiten getanzt und in meiner Crew nur ein Gastspiel gegeben, aber dennoch war es eine Freude, sie dabei zu haben! Sie ist eine begeisterte Ultraläuferin, die sich selbst schon durch so manche Distanz hat durchbeißen müssen. Mit ihrer positiven Art bringt sie gute Stimmung in jede Gruppe!

Thomas hat selbst mal gesagt, unter Läufern finde man eigentlich nur feine Menschen – ich denke oft daran, weil es sich so oft als wahr herausstellt; Thomas selbst ist das beste Beispiel dafür, denn er hat nicht nur mit seinem Podcast eine Community im Ruhrgebiet geschaffen weil er als einer der ersten hier damit angefangen hat, sondern auch, weil er genau das ist: ein wirklich feiner Mensch! Mit seiner ruhigen und gelassenen Art war Thomas für den letzten Marathon zum Rheinorange genau die richtige Besetzung!

Leute, ich danke Euch von ganzem Herzen für Eure Opferbereitschaft und Euren Einsatz! Ihr seid wirklich alle sehr feine Menschen!

Was bleibt?

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Neben dieser Erfahrung, dem Zusammenwachsen einer Gruppe nicht nur zusehen zu dürfen, sondern gar in seinem Zentrum zu stehen, habe ich die übliche Angst des Ultraläufers vor der Distanz verspürt: Werde ich ankommen? Werde ich leiden? Wie lang muss ich noch leiden? Ich habe die Befriedigung gefühlt, die mich nach jedem überstandenen Tief erfüllte und den großen Triumph, all die Unbill der fast 24 Stunden überwunden zu haben. Dennoch bin ich heute, zwei Wochen nach der Tortour, nicht sicher, ob ich die wahre Bedeutung dieser Erfahrung schon erfasst habe. Ganz sicher aber brauche ich noch Zeit und einen eigenen Text, um sie wirklich in Worte fassen zu können.
Ganz sicher aber kann ich ein handfestes, sportliches Resümee ziehen: unterm Strich waren unsere Pausen zu lang. Die GPS-Aufzeichnung gibt vier Stunden ohne Bewegung an, was definitiv zu viel ist. Besonders in der Tageshitze, die mir mehr und mehr das Essen erschwerte, hätte ich sogar weniger Schwierigkeiten gehabt, wenn wir nur kurze Stopps zum Auffüllen der Getränke und zum Befeuchten des Körpers gemacht haben. Ich habe diesen Mechanismus leider erst nach Mintard erkannt und nicht mehr Halt gemacht. Es wäre zwar zwischen Schwerte und dem Hengsteysee besser gewesen, noch einen Zwischenstopp einzulegen, der aber nur als mentale Station ohne großen Aufenthalt hätte dienen dürfen. Eventuell wäre es auch in der Nacht besser, das Essen mitzunehmen und im Gehen zu essen, damit die Pausenzeiten deutlich kürzer ausfallen. In der Tageshitze würde ich beim nächsten Mal deutlich früher dazu übergehen, den Körper zu kühlen, indem wir die Kleidung nass halten, das hat sehr viel gebracht! Darüber hinaus hat der mobile Schatten, den mir Schluppe und Thomas gespendet haben, auch sehr geholfen.
In Sachen Nahrung kam ich mit Brühe und Nudeln sehr gut klar und auch Mars-Riegel haben lange funktioniert. Auch das Kartoffelpüree in Fünf-Minuten-Terrinen-Form hat gut geschmeckt und war eine gute Abwechslung. Für mich als Nicht-Kaffeetrinker war zudem Schokakola die Entdeckung des Laufs – sie hat mir geholfen, die große Müdigkeit wieder aus den Knochen zu vertreiben. Zudem fand ich die Zartbitter-Version ganz gut verträglich, da nicht so süß – eventuell also auch eine Nahrungsoption für die Spätphase eines Ultras.
Die Flüssigkeitsversorgung lief wirklich optimal, selbst in der Hitze des Sonntagnachmittags – das habe ich zum Teil auch meiner Crew zu verdanken, die meine Bitte, darauf zu achten, sehr gut umgesetzt hat. Bis zum Sonntagmittag war ich ein bisschen in Sorge, weil ich spätestens alle 30 Minuten austreten musste und mir das ein bisschen oft vorkam, doch die wurde mir von erfahreneren Ultras genommen – alles gut!
Perfekt war die Entscheidung, die bewährte Fahrradbegleitung auch hier wieder einzubinden. Dadurch konnte ich ohne die zusätzliche Textilschicht eines Rucksacks laufen, was besonders am Sonntag ein großer Vorteil war. Außerdem ist der Fahrradbegleiter schneller und beweglicher, kann also auch noch Dinge regeln und dann nachkommen, aber auch auf der Strecke den erschöpften Läufer ein wenig abschirmen und mit Musik versorgen, was ich als recht angenehm empfunden habe.

Was kommt?

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„Und, 2020 dann die 230 Kilometer?“ – Danke, nein. Da ich mich bereits recht früh im nächsten Jahr würde entscheiden müssen, schließe ich diese Option aus. Ich denke, im Bereich zwischen 100 Kilometern und 100 Meilen gibt es vorerst mehr als genug, um mich zu bewähren. Ende Juni steht zunächst der Kölnpfad in der 110-Kilometer-Variante an und außerdem vermutlich eine Staffelteilnahme beim Mauerweglauf. Beide Veranstaltungen reizen mich auch als volle 100-Meiler sehr. Zudem gibt es noch einen Haufen anderer Veranstaltungen in diesem Bereich, die einigermaßen in der Nähe liegen – es gibt also vorerst genug zu tun – und optimal war das Tortour-Ergebnis auf 100 Meilen ja noch nicht 😉

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10 Antworten auf “100 Meilen mit dem Strom – die Tortour de Ruhr 2018”

  1. Sehr fein geschrieben, auch wenn ich nicht ganz verstehe, warum du weniger und nicht mehr Zeit mit Pause und Essen verbringen willst! Danke fürs Teilen! 🙂 Dein Gregor heißt übrigens Georg, wenn mir dieser kleine Kommentar erlaubt ist. 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Als allererstes einmal herzlichen Glückwunsch zum Finish am Rheinorange nach der so sehr gewünschten und mit viel Laufliebe vorbereiteten Distanz!

    Ich habe Deinen Weg hierher immer wieder mal verfolgt und Dich auch in Duisburg im Ziel gesehen. War ich doch selbst ein kleiner Teil des Supporterteams für zwei 230 er Läufer, die zwischen 17 und 19 Uhr am Rheinorange landeten 😉

    Ich freue mich, dass Du alles gut überstanden hast und Dein Bericht hier gibt wieder, was auch wir erlebt haben, ungefähr im selben Zeitfenster, denn unserer „Crew“-Einsatz begann in Neheim 😉

    Beim Lesen Deines schönen Berichtes musste ich mir wirklich ein paar Tränchen verdrücken, denn es ist und bleibt einfach so: Ultras sind was für Menschen und die leben und lieben das Laufen mit jeder Faser ihres Herzens!

    In diesem Sinne: lebe, liebe und laufe weiter und bitte berichte auch in Zukunft hier in Deinem Blog darüber!

    Auch Deiner wunderbaren Crew meinen Respekt und Glückwunsch zur gemeinsamen Zielerreichung – die TdR ist und bleibt halt ein Team-Ding!

    LG,
    Finny

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