„Runter kann ich ja irgendwie schneller“ -Teutolauf 2018

Nach meiner ersten Teilnahme im letzten Jahr stand für mich fest: ich komme wieder!

Oben in der Mitte, wo im Tecklenburger Land der Teutoburger Wald Nordrhein-Westfalen vom wilden Niedersachsen abgrenzt, liegt das wunderschöne Lengerich. Dessen Stadtteil Hohne ist im Besitz einer netten kleinen Schule und eines ebenso netten, schwarzgelb gekleideten Sportvereins, der die Randlage am Fuße des Teuto schon seit Jahrzehnten nutzt, einen recht ansprechenden Waldlauf anzubieten. Die insgesamt 600 Höhenmeter verteilen sich ansprechend und recht reizvoll arrangiert auf 29 Kilometer und zwei Bergrücken. Auch verspricht der Lauf Nervenkitzel, da er den geneigten, aber auch den aufrechten Läufer hinüber ins wilde Land der Niedersachsen führt. Jenes Land, in dem man ein eigenes Wort für trostlose, herunterbetonierte Großstädte hat: es lautet „Hannover“.

Dieses recht übersichtliche Steigungsangebot ist denn auch eine perfekte Möglichkeit, auch als größtenteils steigungsarm laufender Mittelgebirgs-Rand-Bewohner auf seine Kosten zu kommen und die in Scharen aus dem sehr nah liegenden, benachbarten Ausland angereisten Holländer zu übertölpeln.

Karte

Dieses Mal allein angereist, aber schon mit der Lokaliät vertraut, steuerte ich direkt den hervorragend organisierten Parkplatz auf zwei großen Pferdekoppeln an, rüstete mich mit Handheld und Startnummernband aus, schnappte mir die Meldegebühr in Bar und machte mich auf den fünfminütigen Weg in Richtung Nachmeldebüro. Als ich endlich dran war, fiel mir auf, dass ich zu wenig Geld eingesteckt hatte. Ein Blick auf die Uhr zeigte: noch zehn Minuten bis zum Start. Also drängelte ich mich wieder durch die Massen wartender Läufer, rannte zurück zum Auto und kehrte mit dem fehlenden Geld zum Startbüro zurück. Immerhin war ich jetzt warm gelaufen… Alle Einzelteile in der Hand, verließ ich das Gebäude und drängelte mich in den Startkanal auf der Straße vor der Schule. Auf dem Weg fummelte ich mir die Startnummer an’s dazugehörige Band und im Startkanal band ich den Championchip an meinen Schuh. Aus Zeitmangel musste ich ihn einfach obenauf binden, was dazu führte, dass der Chip mir besonders bergab über die Zunge des Schuhs rutschte und auf die Sehne drückte, was noch ein paar Tage wehtun sollte.

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Nun aber ging es erstmal los: die ersten Kilometer führten uns durch die Straßen des Ortes und am Fuß des Bergs entlang durch den Wald, bis wir nach Kilometer vier den Aufstieg auf den Westerbecker Berg begannen. Diesen Aufstieg hatte ich noch in Erinnerung, aber, wie so viele Details der Strecke, irgendwie nicht so ganz. Ich lief die komplett Steigung bis zur Kurve am Steinbruch hoch, doch nach der Kurve waren wir nicht etwa oben, sondern hatten noch einige Höhenmeter mit noch größerer Steigung vor uns. Also schön, zum ersten Mal gehen. Du bist eben kein Bergaufläufer, also spar‘ die Körner.

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Nun umrundeten wir den Steinbruch und liefen den kompletten Bergrücken entlang auf Bad Iburg zu. Am Ende des Grates wartete die erste Spaßrunde auf mich, denn es begann ein 1,3 Kilometer langer Abstieg mit sieben bis zehn Prozent Gefälle. Ich lief teilweise unter vier Minuten – meine Freude wurde nur durch das Bewusstsein gedämpft, dass ich noch einmal einen anderen Berg und auch diesen hier würde hinauflaufen müssen…

Kurz vor dem zweiten VP hatte ich meine Flasche gelehrt und ließ sie mit Cola auffüllen. Jetzt wartete ein etwa zwei Kilometer langes Asphaltstück auf uns, das in den nächsten Aufstieg mündete. Nach einem Stück durch den Wald ging es schließlich wieder auf Asphalt und ein ganzes Stück bergab, wo ich wieder ordentlich Gas gab. Der darauf folgende, zwar recht flache, aber dafür sehr lange Steigungs-Abschnitt verlangsamte mich nach diesem Sprint sehr stark. Dementsprechend war ich froh, kurz nach der Halbmarathon-Marke am nächsten VP zu sein, wo ich ein wenig Schokolade aß und meine Flasche auffüllen ließ. Der ältere Herr, der an der Colaflasche Dienst hatte, war allerdings zu kniepig, meinen halben Liter ganz aufzufüllen und so behalf ich mir mit dem Inhalt einiger Becher. Nun lagen die letzten 80 Meter Steigung vor uns. Ich quälte mich – halb laufend, halb gehend – den Berg hinauf, doch als ich die Straße zum Steinbruch kreuzte, wusste ich, dass ich fast ganz oben angekommen war.

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Ich startete durch und überholte fast alle Leute, die mich am Berg eingesammelt hatten. Nach dem letzten VP, den ich ausließ, begann der Abstieg und ich jagte den Berg hinunter. Als ich den Wald verließ, überholte einen Läufer, mit dem ich zuvor schon einmal ein paar Worte gewechselt hatte und er hängte sich an mich. Wenig später hörten wir von hinten einen anderen Läufer heranschnaufen. Er kam auf unsere Höhe und ich meinte, es sei noch früh für einen Endspurt – die Uhr zeigte, dass es noch etwa 2,5 Kilometer sein mussten. Er sagte, das sei der Vorteil, wenn man langsam starte und zog wieder an. Ich lief meinen eigenen schnellen Schritt, immerhin selbst etwa 4:20, doch ließ ich mich unmerklich von dem Anderen mitziehen. Der Läufer hinter mir ließ mit einem Fluchen abreißen. Ich lief auf die nächste Gerade und holte den Sprinter schnaufend und mit einer 4:10er-Pace ein. Musste doch gleich vorbei sein, das würde schon gehen. Meine Erinnerung an die Strecke hatte mich allerdings getrogen und mir wurde klar, dass wir noch etwa einen Kilometer vor uns hatten.

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Tiger auf letzter Rille – Dank an den Mann mit der gelben Hose, der mich gezogen hat.

Die nächste lange Gerade stieg ganz leicht an und zog mir förmlich den Stecker. Ich hing mich hinter einen anderen Läufer und bemühte mich, den Sprinter nicht allzu weit vorlaufen zu lassen. Ich war jetzt in der Pain-Cave angekommen und litt leise vor mich hin, bis die Abbiegung in Richtung Schule vor mir lag.

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Ich sprang förmlich hinter meinem Zugläufer hervor und sprintete den Weg hinunter zur Schule, angefeuert von den Läufern, die mir auf dem Weg zum Auto entgegenkamen. Ich sprintete keuchend um die Ecke, überholte noch ein paar Nordic Walker, die auch hier natürlich in Viererreihe fast den ganzen Platz für sich in Anspruch nahmen, wurde fotografiert un vom Sprecher aufgerufen und schon war ich im Ziel, wo ich einen Moment zu Atem kam, um mir schließlich mein Finisherbier holte, meinen Chip abgab und mit meinem Finisher-Bierglas in Richtung Auto ging.

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Der Teutolauf war auch dieses Jahr wieder, was er für mich hatte werden sollen: ein großer Spaß! Super organisiert, ohne großes Warten oder Parkprobleme, bietet er tolle Rahmenbedingungen und eine nicht allzu anspruchsvolle Strecke für Läufer, die sich auf der „mittellangen“ Distanz auf dem Trail gerne ausprobieren wollen. Verlaufen ist unmöglich, denn an allen entsprechenden Stellen hat der Verein einen der tollen Helfer platziert, die auch die Startnummern ausgeben, an den VP für Nachschub sorgen und ihre Arbeit einfach gut machen. Eine runde Sache! Wenn es geht, werde ich auch im nächsten Jahr wieder dabei sein!

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