Adventure 3.0 – Die Ultimate Direction Peter Bakwin Adventure Vest 3.0

Nachdem mich das neue Modell des Adv Skin 12 Sets von Salomon enttäuscht hat, musste eine Alternative für ganz lange Läufe her. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist die Möglichkeit, mit meinem Bestand an Flaschen weiterarbeiten und auf Softflasks verzichten zu können (die Modelle von Salomon gefallen mir beim besten Willen nicht).
Das zweite wichtige Kriterium ist, dass möglichst viel Stauraum erreichbar sein soll, ohne den Rucksack abnehmen zu müssen. Das Prinzip der Känguru-Tasche, soviel war mir schon vorher klar, ist nur schwer zu schlagen, hat aber auch den Nachteil, dass man dann auf ein großes, zusammenhängendes Rückenfach verzichten muss; das Alternativmodell sollte wenigstens nahe an die erreichbare Kapazität herankommen. Unterm Strich aber, soviel war mir auch klar geworden, habe ich in meinem Adv 12 Set oft eher kompakte Gegenstände wie einen Stapel Pickups oder andere Nahrungsmittel, meine Windjacke usw. untergebracht; grundsätzlich also Gegenstände, bei denen ich nicht auf eine große Tasche angewiesen bin. Zudem hatte ich so stets einen Wust an Kleingegenständen in der Tasche, so dass ich mitunter ordentlich Rühren musste, um das gewünschte Dings zu fassen zu kriegen.
Zuletzt sollte das zu findende Rucksackmodell nach dem Westen-Prinzip konstruiert sein, also ohne Bauchgurt auskommen, da mich dieser beim Hoka Evo-R immer sehr gestört hat.

Nach einigem Suchen habe ich mich für einen Rucksack der amerikanischen Firma Ultimate Direction (UD) entschieden, mit deren Produkten ich schon länger geflirtet hatte und die mir auch bei meiner aktuellen Suche am ehesten geeignet schienen. Mittlerweile sind die meisten Exemplare der Signature-Serie auch bei uns erhältlich, so dass UD wirklich einen Versuch wert war. Da ich einen Rucksack mit viel Stauraum haben wollte, entschied ich mich für die von Peter Bakwin mit- und weiterentwickelte Adventure Vest 3.0, die mit 16 Liter das größte Modell aus dem Hause UD darstellt.

Die Adventure Vest verspricht eine Menge gut zugänglichen Stauraum und wird zudem mit einer UD-Softflask geliefert. Beide Flaschenhalter können aber grundsätzlich auch meine Kicker-Valve-Flaschen aufnehmen. Zudem folgt die Adventure Vest (wie der Name ja schon sagt) dem Westen-Prinzip, das vielen Rezensenten zufolge auch in Sachen Tragekomfort durchaus an die Salomon-Produkte herankommen sollte.

Doch verschaffen wir uns zunächst einen Überblick: Ich habe insgesamt 16 Taschen gezählt;

Fronttaschen

An der Front finden wir auf der rechten Seite einen Flaschenhalter, der ab Werk mit einer Softflask ausgestattet ist. Wie so ziemlich alle Modelle, die auf dem Markt sind, bezieht UD diese von der Firma Hydrapak. Die Flasche hat allerdings eine ganz andere Form, als die von Salomon: sie ist wesentlich breiter und untern abgeflacht, wodurch sie auch mit abnehmender Füllmenge noch wesentlich stabiler bleibt und hat eine größere Einfüllöffnung. Mein guter erster Eindruck hat sich auf einem 66-Km-Lauf durchaus überzeugt, denn auch fast leer habe ich kein störendes Wippen wahrgenommen. Das liegt auch an den Steifen Rand, der die Oberseite der Flasche stabilisiert und auch beim Befüllen gute Dienste leistet. Ergänzend dazu kann der Rand des Flaschenköchers mit einem Gummizug verengt werden, so dass der Unflexible Flaschenkopf gut in Position gehalten wird. Auf der anderen Seite findet sich im Gegensatz zu vielen anderen Modellen hier kein Flaschenhalter, sondern eine große Reißverschlusstasche, die UD Burrito-Tasche nennt. Diese Tasche hat ein sehr großes Fassungsvermögen. Selbst eine UD-Hardflask (sogar die etwas größere Kicker-Valve-Flasche) passt locker hinein.

Darüber sind auf beiden Seiten Reißverschlusstaschen angebracht, in die zwei bis drei Pickups passen. Auf dem Flaschenhalter befindet sich eine weitere dehnbare Meshtasche, die mehrere Riegel aufnehmen dürfte. Unterhalb des Flaschenhalters schließt eine Reißverschlusstasche aus dehnbarem Mesh an, die z.B. locker meine 200-Gramm-Tüte Gummibärchen aufgenommen hat. Kleinere Smartphones dürften hier auch passen – für mein Galaxy A5 mit einer recht großen Hülle hätte auch gepasst, was sich allerdings nicht angenehm angefühlt hat.
Durch die Burrito-Tasche ist die linke Seite etwas anders aufgeteilt: die Burrito-Tasche wird zu etwa einem Viertel von einer Tasche aus dehnbarem Mesh überspannt. Dadurch empfiehlt sich der Einsatz der Softflasks oder – wenn es schon harte Flaschen sein sollen, die etwas kompakteren Flexform-Bottles – die Kicker-Valve-Flaschen (KV) füllen die Meshtasche wegen ihrer Form fast ganz aus und machen sie so gut wie unbrauchbar. Allerdings sind die KV ohnehin nicht gut für die Weste geeignet, da die Flaschenhalter für Softflasks ausgelegt und positioniert sind. Die KV werden in beiden Taschen sehr fest an den Brustkorb gedrückt, was schon nach wenigen Sekunden schmerzt; da will ich mir mehrere Stunden gar nicht vorstellen.

Seitentaschen

Seitentasche

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Die gesamte Fläche des Armausschnitts wird durch je zwei große Taschen besetzt: außen befindet sich je eine große Reißverschlusstasche aus dehnbarem Mesh, dahinter noch eine Klettverschlusstasche, die die hinteren Justierungsgurte beherbergt. Bei meinem Testlauf über 66 Kilometer habe ich nur die Reißverschlusstaschen genutzt und auf der einen Seite eine Windjacke, auf der anderen einen Ziplock-Beutel mit Wertsachen und einer Powerbank verstaut. Selbst in der Tasche mit der Windjacke wäre noch Platz gewesen. Ein Smartphone würde in diese Taschen theoretisch passen, doch aufgrund der Wölbung des Körpers wird das Telefon vorne gegen den Körper und hinten gegen die Außenseite des Meshs gedrückt – was blöd aussieht und sich auch nicht sonderlich gut anfühlt.

Rückentaschen

Auf der Rückseite eröffnen sich noch zahlreiche Liter an Unterbringungsmöglichkeiten: ganz oben, direkt an der Rundung für den Hals befindet sich der mit einem Reißverschluss gesicherte Zugang zum Trinkblasenfach. Dieses Fach nimmt Trinkblasen bis zwei Liter auf und hat auch mit meiner Salomon-1,5-Liter-Blase einwandfrei funktioniert. Die Aufhängung erfolgt mittels einer mit einem Druckknopf verschließbaren Öse.

Hauptfach

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Direkt darunter befindet sich das Hauptfach, dessen Reißverschluss die gesamte Oberseite und etwa die Hälfte der rechten Seite der Tasche öffnet. Dieses Fach (so wie alle, die aus dem weißen Silnylon bestehen) ist mit wasserdichtem Material umgeben und hält definitiv den Schweiß auf Abstand. Das dürfte allerdings im Sommer für etwas mehr Wärme auf dem Rücken sorgen. Auf der linken Seite befindet sich eine weitere, etwa handgroße Reißverschlusstasche, die mit einem Schlüsselhaken ausgestattet ist und Platz für eine Geldbörse und den Schlüssel bietet.

Zuletzt finden sich noch zwei offene Einschubtaschen auf dem Hauptfach, die beide von oben zugänglich sind. Die obere, die die innenliegende schwarze Fläche umfasst, reicht etwa bis zum unteren Ende des Hauptfach-Reißverschlusses, während die untere, etwas größere aus der mit dem Firmennamen beschrifteten Fläche besteht.

Gurtsystem

Wirklich gut ist auch das Gurtsystem; es ermöglicht zum Einen, noch weitere Gegenstände wie z.B. eine Jacke auf dem Rucksack zu befestigen und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, die Last auf dem Rücken zu verzurren, so dass nichts wackelt oder hüpft. Über zwei Ösen lassen sich zudem die Einschubtaschen verschließen; die oberste Öse liegt oberhalb des Trinkblasen-Faches, so dass das gesamte Material des Rückenteils entsprechend auf den Rücken gedrückt wird und auch im leeren Zustand nicht herunterhängt. Bei Bedarf ermöglichen Ösen an den äußeren Rändern des Rückenteils, die Last auf dem Rücken nocch besser zu verzurren.

Weitere Features

Der Rucksack verfügt auch über Ösen für Faltstöcke, die senkrecht – je einer pro Seite – entlang der Achsiliarline angebracht werden.
Der Schlauch der Trinkblase kann nur über die Schulter geführt werden, wozu sich auf beiden Seiten im Übergang vom Rücken zur Schulter Öffnungen im Material befinden; etwa auf Brusthöhe gibt es auf beiden Seiten eine Schlaufe, die den Schlauch stabilisiert. Ich habe den Schlauch meiner Salomon-Blase durch die Öse auf der gleichen Seite geführt und einfach runterhängen lassen, was eine recht komfortable Trinkposition ermöglicht hat.

Ergebnisse und vorläufiges Fazit

Da die KV ja leider nicht geeignet sind, habe ich bei meinem 66-Kilometer-Testlauf neben der zu testenden Bodybottle (Softflask) eine Flexform-600-Flasche mitgenommen, die problemlos in der Burrito-Tasche verschwunden ist. Diese Flasche habe ich gar nicht angebrochen und während des gesamten Laufs auch nicht wahrgenommen. Genauso komfortabel präsentierte sich auch die Bodybottle, die ich gegen Ende des Laufs angebrochen und fast geleert habe – mit ein wenig Nachzurren an der Öffnung des Flaschenhalters war auch hier kein Wippen und kein Wackeln festzustellen. Ein Betrieb mit Body- und Flexform-Bottles dürfte also ziemlich gut funktionieren, ich denke ich werde eine weitere Bodybottle anschaffen und die KV zusammen mit der Salomon-Weste weiternutzen.
Die Meshtasche unterhalb der Burrito-Tasche war allerdings nicht mehr voll nutzbar, so dass ich meine Notfall-Taschentücher dort untergebracht habe. In der Reißverschlusstasche auf der gegenüberliegenden Seite habe ich später meine Gummibärchen untergebracht wodurch sie immer griffbereit waren (die Tasche war dadurch auch längst nicht voll). Die Seitentaschen haben meine Windjacke und einen Ziplock-Beutel mit Geld und einer Powerbank beherbergt. In den Fächern auf der Rückseite waren meine Trinkblase mit 1,5 Litern Flüssigkeit (Trinkblasenfach), meine Regenjacke und zwei halbe Liter Cola (Hauptfach) und mein Schlüsselbund (Schlüsselfach) untergebracht.
Sicher kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließende Bewertung abgeben, doch eine fundierte erste Meinung traue ich mir nach einem siebenstündigen Lauf definitiv zu: Der Rucksack kommt dem Salomon-Konkurrenten ziemlich nahe. Leider sind die Schultergurte ungepolstert, so dass sie am Anfang, als die Trinkblase noch voll war, ein wenig an den Schultern gedrückt hat. Ist die Blase erstmal etwas leichter geworden, ist das Tragegefühl allerdings ziemlich angenehm, da sich die Weste fest und weich an den Körper schmiegt. Dabei ist nichts im Weg; bei meinem Salomon-Rucksack schränken die deutlich weiter außen sitzenden Flaschen meine Beweglichkeit doch leicht ein, was hier nicht der Fall ist. Selbst die Seitentaschen, seien sich auch noch so vollgestopft, stören nicht. Das Taschenkonzept gefällt mir richtig gut und hat mir vor Augen geführt, dass mehrere während des Laufens erreichbare Taschen deutlich mehr bringen, als eine große Tasche auf dem Rücken – und genau diese fehlen meinem 2015er Version des Adv Skin 12 Set völlig, ebenso, wie ein einigermaßen schweißgeschütztes Fach für Reservekleidung, welches die Adventure Vest bietet. Dass man schließlich für größere Gegenstände wie die Kopflampe o.ä. den Rucksack doch mal abnehmen muss, fällt letzlich nicht ins Gewicht, denn das mit Schnappverschlüssen ausgerüstete Verschlussystem ist deutlich weniger fummelig, als die Zickzackgurte bei Salomon.
Insgesamt erfüllt die Weste also meine Anforderungen. Bei den Flaschen muss ich leichte Abstriche machen, wobei die weiche Bodybottle von UD mich durchaus überzeugt hat. Da ich auch zwei Flexform-Flaschen besitze, ist die Umstellung hier nicht ganz so verlustreich. Nach einem ersten Belastungstest zeigt mein Daumen also klar nach oben – sehen wir, wie die Weste im Langzeitbetrieb abschneidet!

Ihr habt noch Fragen Fotowünsche, Anmerkungen? Immer her damit!

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9 Kommentare zu “Adventure 3.0 – Die Ultimate Direction Peter Bakwin Adventure Vest 3.0

    • Da hast Du recht, allerdings finde ich das Abnehmen des Rucksacks wesentlich weniger aufwendig. Ich finde es vertretbar, zudem ich eigentlich alles, was ich in der Kängurutasche hatte, auch anderweitig und greifbar unterbringen kann.

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  1. Pingback: Cat Content #3: Über Ziegen, Flaschen und den Schimpansen in meinem Kopf | TRAILTIGER

  2. Vielen Dank für Deinen tollen Blog und die ausführliche Beschreibung bzw. den Test des UD Peter Balkwin. Mir ging es – obwohl mir beim Rucksack teilweise andere Dinge wichtiger sind – ähnlich gegangen wie Dir: Ich bin von Salomon abgewandert, und habe mir einen UD Adventure Vesta (Frauenmodell!) zugelegt. Falls es Dich interessiert, hier mein Test: https://trailrunningnordwand.blogspot.de/2017/06/ich-packe-meine-sachen-und-nehme-mit.html

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  3. Pingback: Nathan VaporKrar WaistPak | TRAILTIGER

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