It’s been a long way: das WHEW-Training ist beendet!

Es war noch ein langer Weg damals im Dezember, als ich mich endgültig für den WHEW 100 angemeldet hatte. Ich erinnere mich gut an den riesigen Berg an Kilometern, der sich zwischen meinem ersten 100-Kilometer-Lauf und meinem damaligen Selbst auftürmte. Ich war gerade von einem grippalen Infekt genesen und hatte in der Zwischenzeit einen groben Trainingsplan ausgearbeitet, der innerhalb eines Vierwochenzyklus drei Belastungswochen mit mindestens 100 Wochenkilometern und einer reduzierten Regenerationswoche vorsah. Die Grundlage sollten zwei lange Läufe sein, wovon einer bei etwa 30 Kilometern bleiben und tempomäßig leicht gesteigert werden sollte, während ich die Distanz des zweiten – ausgehend von ebenfalls 30 Kilometern – bis zum Ende des Trainingszyklus schrittweise auf 75-80% der Wettkampfdistanz, also auf 75-80km, steigern wollte. Ich konnte diese Strategie sehr erfolgreich, konsistent und – bis auf leichtes Ziepen hie und da – verletzungsfrei fahren (oder besser: laufen). Ich bin den gesamten und streckenweise recht kalten Winter hindurch alle meine geplanten Einheiten gelaufen, habe Sturm und Regen getrotzt und über die vergangenen sechs Monate bis heute in 87 Läufen  2135 Kilometer zurückgelegt. Dabei war ich insgesamt 204 Stunden auf den Beinen und habe 161317 Kalorien verbrannt, was in etwa einer Menge von 466 Käsebroten entspricht. Ich habe meine 30-km-Zeit von 2:54 (5:57/km) auf 2:26 (4:57/km) um fast eine halbe Stunde verbessern können und fühle mich heute so fit, wie nie zuvor in meinem Leben!

Dennoch kann man sich sicherlich streiten, ob diese Trainingsstrategie die effektivste ist aber ich bin froh, diesen Weg gewählt zu haben, denn für mich ist es unschätzbar wertvoll, zu wissen, dass ich so gut wie sicher drei Viertel der Strecke laufen kann, weil ich es bereits getan habe. Der Rest geht dann auch irgendwie 😉
Außerdem habe ich auf meinen bis zu achtstündigen Läufen eine Menge über mich selbst gelernt – nicht nur, was mein Gemüt beruhigt oder aus dem Schritt bringt, sondern auch ganz Basales, z.B. was die Ernährung angeht. Darüber hinaus habe ich auch endgültig feststellen können, dass ich es bei allen Schmerzen, die einen heimsuchen können und dies bis zu einem gewissen Grad auch bei jedem Ultralauf ganz sicher tun, wirklich mag, weit, weit und noch ein wenig weiter zu laufen!

Die erste, wesentlich längere Reise durch einen langen Winter habe ich nun also hinter mich gebracht. Ab jetzt heißt es, für die zweite, wesentlich kürzere, aber entscheidende Reise über die Trassen zwischen Wuppertal, Hattingen, Essen und wieder Wuppertal Kräfte zu sammeln und den Körper noch ein paar Tage auf Leistungsstand zu halten. Mehr kann ich nicht mehr tun, denn was ich in sechs Monaten nicht habe aufbauen können, wird jetzt auch nicht mehr entstehen. Es gibt aber auch keinen Grund für Reue, denn ich bin wie bereits gesagt superfit und voller Zuversicht – lediglich ein sehr warmer Tag könnte mir nach der Kaltphase der letzten Wochen tatsächlich das Genick brechen.

Am 6. Mai erwartet mich also eine große Herausforderung, auf die ich lange und hart hingearbeitet habe. Sie wird mir ganz sicher alles abverlangen, doch ich bin bereit!

“If you gonna be an Ultrarunner, you gonna have to be able to embrace suffering, ‘cause Suffering comes with this sport. There’s a saying about pleasure being the child of pain – so that’s what you get – when you come out here you get kicked in the teeth; the pleasure comes in having overcome that. With all the pain that you suffered to, the pleasure, the real joy comes; even if you’re the last person: you’ve crossed the line; you’ve met your demons out there on the trail and you’ve overcome them!”

Erol „The Rocket“ Jones

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3 Kommentare zu “It’s been a long way: das WHEW-Training ist beendet!

  1. Wer Dein Trainingspensum verfolgt hat, wird Dir sagen: Das packst Du. Nicht locker, weil 100 km nie locker sind, aber Du packst das. Und deswegen sage ich auch ich: Du packst das! Und mir ist etwas bange vor meinem ersten 100er sechs Wochen später, weil ich bei weitem nicht so gut trainiert habe.

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  2. Meine Herren, Respekt für das, was Du da runtergeholzt hast. Besser und gründlicher hätte man sich wohl nicht vorbereiten können und ich hoffe, Du fährst am Samstag fette Ernte ein. Letztlich kann auf diesen Distanzen natürlich immer was schief gehen, dass weiß man nie und passiert auch den erfahrensten Ultras. Aber Du hast bis hierhin alles dafür getan, dass Du die Strecke nicht nur sicher schaffst, sondern da kündigt sich imho auch eine grandiose Zeit an, wenn nichts unerwartetes eintritt. Dein Training war schon haarscharf auf der Grenze genäht und ich habe mich manches Mal gefragt, ob Du es nicht übertreibst, aber Du bist verletzungsfrei durchgekommen. Jetzt bleibt nur noch das Dingen am Samstag zu rocken. Glück auf! Ich freu mich drauf!

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  3. Pingback: The Battle of Wounded Knee – WHEW 100 | TRAILTIGER

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