Salomon S-Lab Adv Skin3 12Set

Spätestens, wenn man sich als Läufer den Langestrecken zuwendet oder sich gar ins Gelände schlägt (oder beides), reicht es in der Regel nicht mehr, vor dem Lauf ordentlich zu trinken – man muss sich währenddessen versorgen. Auf Ultraläufen und -Trails muss man zudem meist auch etwas zu Essen mitführen. Auch Ausrüstung wie zusätzliche Kleidungsschichten (für mich im Winter bereits bei den meisten Trailläufen ab 20km) oder eine Stirnlampe können vonnöten sein. Wann dieser Punkt für jeden Einzelnen erreicht ist, ist höchst individuell. Ich zum Beispiel schwitze immer sehr stark und habe deswegen gern eine Windjacke mit auf dem Trail, weil die Bedingungen in Bezug auf Temperatur und Wind, auch weil man bei den Gehpausen schnell ein wenig abkühlt, doch sehr unterschiedlich sind. Außerdem muss ich relativ früh Getränke mitführen, auf dem Trail grundsätzlich ab etwa 15km, auf flacher Asphaltfläche ab 25-30, im Sommer sogar manchmal ab 20km. Deswegen habe ich, als sich meine Kilometerleistung erhöht hat, recht schnell zum Laufrucksack gegriffen. Da ich noch nicht sicher war, welches Konzept mir zusagt, habe ich zunächst einige Monate den (mit 30€ recht günstigen) Trailrucksack von Decathlon genutzt. Dabei wurde mir recht schnell klar, dass ich mit Trinkblasen nicht so besonders gut klarkomme und mich lieber auf Flaschen verlassen will. Ich möchte die Möglichkeit haben, mindestens vier Flaschen mitzuführen und auch noch Platz für ein paar Quetschies oder eine Brotzeit für längere Trailläufe übrig haben. Da der Kalenji-Rucksack aber im Grunde nur zwei während des Laufens wirklich zugängliche Taschen bietet, wurde es aber einer gewissen Distanz ein wenig schwierig. Nach einigem Hin und Her mit anderen Modellen (Raidlight Olmo R-Zone, Ultraspire Ribos) habe ich mich nach ausführlicher Auseinandersetzung mit der Materie für das Salomon S-Lab Adv Skin3 Set12 entschieden, den Rucksack mit dem kompliziertesten Namen der Welt, soviel ist sicher…

Der Rucksack: aufsetzen, oder anziehen?

Eigentlich ist das Adv Skin3 Set12 kein Rucksack, sondern eher eine Weste. Die in vielen Reviews gerühmte komfortable und anpassungsfähige Beschaffenheit dieses Sets ist keine Übertreibung! Das Set wischt den Unterschied zwischen einem Lauf mit und ohne Rucksack weitestgehend weg; ich denke, viele kennen dieses Gefühl, bei einem Rucksacklauf weniger Komfort zu haben, weil man den Rucksack als – wenn auch nur ein bisschen – einschränkenden Gegenstand die ganze Zeit spürt. Das Slab-Dingens hingegen verhält sich eher wie ein Kleidungsstück: man setzt es nicht, wie einen normalen Rucksack, auf, sondern zieht es vielmehr an. Hat man das Set/die Weste einmal eingestellt, sitzt es zwar – je nach belieben – mehr oder weniger stramm am Körper, aber durch die durchgehende Dehnbarkeit sämtlicher Materialien atmet es mit. Ich habe es als so komfortabel empfunden, dass ich es während des Laufens tatsächlich nicht bemerkt habe, solange ich keinen Gegenstand aus einer der Taschen brauchte: das Set ist einfach da, wenn man es braucht und hält sich während der restlichen Zeit sozusagen diskret im Hintergrund.

Verschlossen und eingestellt wird die Weste mit zwei Zickzack-Gurten, die an den pro Gurt und Seite drei zur Verfügung stehenden Befestigungsösen Halt finden. Während die Gurte am ersten Anschlagspunkt festgeknotet sind, befestigt man die anderen beiden Enden mittels kleiner Haken in den Ösen, welche sich deutlich leichter lösen lassen. für den mittleren Haken, der die eigentliche Verbindung zwischen den beiden Seiten herstellt, ist das natürlich gut; der andere Haken, der den letzten Verbindungspunkt bildet, rutscht beim Abnehmen der Weste allerdings auch gerne aus der Öse, so dass man den Gurt beim Wiederanziehen oft umständlich sortieren und diesen Haken wieder befestigen muss, bevor man die Weste ordnungsgemäß schließen kann.

Taschen, Taschen, Taschen: nicht immer ideal!

Ich habe insgesamt 13 Taschen gezählt, wovon zwei über eine weitere Unterteilung verfügen. Neben den beiden großen Flaschenhaltern auf der Vorderseite (3) ist wohl die „Känguru-Tasche“ im unteren Drittel der Weste (8) die wichtigste und nützlichste. Sie erstreckt sich zwischen den beiden Reißverschlusstaschen an der Hüfte (5) und hat auf beiden Seiten Eingriffe, wodurch man auch während des Laufens in der Regel sehr bequem an den Inhalt gelangt. Durch das dehnbare Material lässt sich hier eine Menge Ausrüstung gut zugänglich verstauen, vom Quetschie über eine Dose mit Waffeln bis hin zu bis zu vier aufrecht in den beidseitigen Eingriffen stehenden Trinkflaschen.

Oberhalb befindet sich das große Fach (1), das über eine Öffnung am „Kragen“ des Sets erreichbar und für Trinkblasen geeignet ist. Ich bringe in diesem Fach meist meine Wind- oder Regenjacke unter. Es erstreckt sich über die gesamte Höhe des Rückens. Unten gibt es eine Öffnung für einen Trinkschlauch, der in die Känguru-Tasche mündet (auf dem Bild deutlich zu erkennen) und entlang der Außennähte der Weste finden sich einige Führungsösen.

Auf das obere Rückenfach aufgesetzt ist ein weiteres Fach (7), das bis etwa zur mittleren Naht der Känguru-Tasche reicht und über zwei weitere, kleinere Fächer verfügt: auf der Schulter befindet sich eine kleine Batterietasche, in die der Akku meines Galaxy S2 passt; auf der großen Fläche der vom Rücken abgewandten Seite des Fachs ist die Tasche für die mitgelieferte Rettungsdecke, in der ich meist meinen Buff und ein Paket Taschentücher für den „Notfall“ unterbringe.

Eine halbe Hand könnte man hier unterbringen...

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Links und rechts der Känguruh-Tasche finden sich die beiden bereits erwähnten Reißverschlusstaschen (5), deren Stauraum sich unterhalb ersterer erstreckt und etwa 15cm tief ist. Wenn die Känguru-Tasche richtig vollgestopft ist, bekommt man nur noch sehr flache Gegenstände in das Reißverschlussfach, selbst bei meinem Laufhandy habe ich schon etwas Nachdruck gebraucht. Die nach unten öffnenden Reißverschlüsse und die Tasche selbst sind sehr gut zu erreichen, allerdings braucht man zum Schließen des Reißverschlusses oft eine zweite Hand, was aber keine großen Probleme bedeutet, da man mit der gegenüberliegenden Hand gut „hintenrum“ den unteren Zipfel der Weste fassen und mit der anderen den Verschluss betätigen kann.

Zwischen dem Reißverschluss und dem vorderen Teil der Weste befindet sich eine weitere, dehnbare Meshtasche (6), die sehr tief ist, aber leider ziemlich schmal, vielleicht gerade einmal drei Finger breit. Bislang habe ich dort lediglich Riegel sinnvoll unterbringen können; evtl. würden auch Gels hier ihren Platz finden, wobei es durchaus schwierig werden dürfte, kleinere Gegenstände aus der Tiefe der Tasche zu angeln…

Der vordere Teil der Weste wird von den dehnbaren Flaschenhaltern (3) dominiert. Man kann es nicht anders sagen – oder vielleicht wäre noch korrekter: Salomon verschuldet, dass die Flaschenhalter die anderen Taschen dominieren. Unterhalb der Flaschenhalter befinden sich je eine drei bis fünf Zentimeter tiefe Tasche (4), die ich als Mülltaschen nutze. Da diese Taschen direkt unterhalb der Flaschenhalter angesetzt sind, gibt es bei der Höhe der dort untergebrachten Gegenstände keinerlei Toleranzen.

Zwei Taschen ohne rechten Wert...

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Das gleiche gilt für die Taschen oberhalb der Flaschenhalter: auf der linken Schulter befindet sich eine doppelte Tasche (2), in die z.B. mein S2 sehr gut passen würde – und das gleiche gilt für die Reißverschlusstasche auf der gegenüberliegenden Seite (10) – wenn sie denn nicht so tief angesetzt wäre, dass sie auf jeden Fall mit den Flaschen ins Gehege kommt. Die Taschen ragen auf beiden Seiten sogar einige Zentimeter in den Flaschenhalter hinein, was mir völlig unbegreiflich ist, denn auf den Schulterträgern wären noch einige Zentimeter frei – warum man die Taschen nicht dort angesetzt hat, um den geschilderten „Interferenzen“ vorzubeugen, ist mir völlig unbegreiflich. Durch das realisierte Design sind diese Taschen für mich so gut wie nutzlos, lediglich mein Schlüssel und andere kleine Wertgegenstände finden hier Platz.

Auf den Schulterriemen befinden sich auf beiden Seiten Gurte, mit denen man das Set fester um seinen Inhalt zurren kann. Auch, wenn es an sich durch das dehnbare Mesh schon recht straff ist, wackelt so auch bei weniger Last nichts hin und her. Außerdem befindet sich auf einer Seite der Befestigungsgurt für Stöcke, die andere Öse befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Sets (9). Dadurch werden die Stöcke quer über den Rücken gespannt, was zwar bedeutet, dass sich die Last etwas besser verteilen dürfte und man die Stöcke während des Laufens entnehmen und wieder befestigen kann, jedoch ist der Abstand zwischen den beiden Befestigungspunkten so groß, dass Faltstöcke mit ihren i.d.R. rund 45cm Länge zu kurz wären (ich messe 55-60 cm).

Flaschen und Unterbringungsmöglichkeit für Vieltrinker

Ab etwa 35km benötige ich eine dritte Flasche, für längere Läufe auf Trails ist grundsätzlich eine vierte von Vorteil, besonders, wenn ich an den Sommer denke (wie gesagt, ich schwitze viel). Im Lauf der Zeit habe ich mich mit den mitgelieferten Softflasks angefreundet, jedoch stehen sie bei mir grundsätzlich in der zweiten Reihe. Primär nutze ich zwei UD 590ml-Flaschen, die Softflask rückt dann nach Entleerung einer der beiden Flaschen nach. In die Öffnung der Känguru-Tasche passen bequem zwei Flaschen (beider Fabrikate) nebeneinander, die dann sehr sicher stehen. Eine einzelne Softflask rutscht gern mal komplett in Tasche und kommt waagerecht zu liegen, wenn nicht genug übrige Gegenstände sie an Ort und Stelle halten, was aufgrund des Gewichts der gefüllten Flasche zu unangenehmem Wippen der kompletten Känguruh-Tasche führt. Insgesamt könnte man aber bequem vier (und inklusive der Flaschenhalter auf der Vorerseite natürlich sechs) Flaschen mitführen, während zwischen den beiden Öffnungen auch noch ein etwas mehr als faustgroßer Zwischenraum für weiteres Equipment bliebe. Auf dem untenstehenden Bild lässt sich erahnen, dass die darunter liegenden RV-Taschen in diesem Fall keinen Raum mehr für sperrigere Gegenstände bieten würden.

Die mitgelieferten Softflasks finde ich gewöhnungsbedürftig. Man muss sie mit fortschreitender Entleerung ein wenig tiefer in die Halter drücken, da sonst der Steife obere Rand und die Mundstücke nach unten sacken und beim Laufen nervig zu wippen anfangen. Außerdem sollte man sich gleich angewöhnen, den Mund zu den Mundstücken zu bewegen (was bis zur vollständigen Leerung der Flaschen funktioniert) und die Flaschen zum Trinken in den Haltern zu belassen, da es äußerst fummelig ist, die nach und nach erschlaffenden Flaschen wieder in die Taschen zu bekommen.

To infinity! And beyond!

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Fazit: In den wichtigen Punkten überragend, aber in der B-Note ausbaufähig

Die für meine Ansprüche wichtigen Faktoren:

  • Viel Raum für Flaschen (sechs sind problemlos möglich)
  • Weiterer, auch während des Laufens zugänglicher Raum für andere Ausrüstungsgegenstände
  • Hoher Tragekomfort und große Bewegungsfreiheit

sind auf jeden Fall erfüllt. Besonders der berühmte Tragekomfort ist nach meinen bisherigen Erfahrungen unübertroffen. Ich mag es gern enganliegend, ohne dass sich etwas bewegt, und bei diesem Laufrucksack habe ich wegen der dehnbaren Konstruktion dennoch außerordentlichen Komfort und im wahrsten Sinne des Wortes Atemfreiheit. Die Verarbeitung der Nähte etc. ist extrem gut und viele Nutzer berichten davon, dass das Set eine hohe Haltbarkeit an den Tag legt. Bislang bestätigt sich dieser Eindruck aus meiner Sicht, richtig sicher wird diese Frage aber erst in einigen Monaten zu beantworten sein.

Nicht gut: sinnfreie Schultertaschen
Was mir nicht gefällt: die Positionierung der oberen Taschen ist einfach nur ärgerlich: weil man etwas Raum nach oben nicht genutzt hat, der durchaus da ist, sind sie nur sehr eingeschränkt nutzbar, nicht mal ein Smartphone oder ein Riegel passen hier, besonders, wenn man wie ich die UD-Flaschen anstelle der Softflasks nutzt (was ich schon bei vielen Läufern gesehen habe). Hier sollte Salomon bei einer Version vier auf jeden Fall nachbessern!

Auch nicht gut: Keine wasser- oder schweißdichten Taschen
Ein weiterer Nachteil ist die Tatsache, dass keine Tasche wirklich wasserdicht ist. Besonders bei den beiden oberen Hauptfächern ist das ärgerlich, denn wer mit dem Set z.B. zur Arbeit pendeln möchte und auf Wechselkleidung angewiesen ist, muss diese extra schweißsicher verpacken.

Dennoch: komfortabel und empfehlenswert
Insgesamt kann ich das Salomon S-Lab Adv3 Skin 12 Set (ich kann mich nur wiederholen: fürchterlicher Name!) aber empfehlen, da die Känguru-Tasche in Verbindung mit den Flaschenhaltern mir eine Menge Ausrüstung zugänglich macht, die ich erreichen kann, ohne den Rucksack abzunehmen. Der Tragekomfort des Sets ist wirklich herausragend, selbst bei vollgestopften Taschen: ein Winterlaufshirt, ein Thermoshirt, Trailsocken, eine Stirnlampe, vier Quetschies, die beiden zusammengerollten Softflasks, eine Mütze und noch einige Kleinigkeiten habe ich bereits in das Adv 3 Skin Set hineingestopft, was mich auf dem anschließenden Lauf aber nicht im geringsten gestört hat, weil das dehnbare Material alles an seinem Platz hält.

Wer ein wenig Ausschau hält, bekommt die Weste für etwa 130 Euro inklusive der beiden 500ml-Softflasks, jedoch ohne Trinkblase.

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2 Kommentare zu “Salomon S-Lab Adv Skin3 12Set

  1. Pingback: Verschlimmbessert? Salomon S-Lab Adv Skin 12 (2017) | TRAILTIGER

  2. Pingback: Adventure 3.0 – Die Ultimate Direction Peter Bakwin Adventure Vest 3.0 | TRAILTIGER

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