Mesozyklus KW 9-12

Woche 09: 50er (105,2km)

Es war recht früh klar, dass der Montag alles andere als großzügig in Sachen Zeitplanung sein würde. Da nebenbei mein Geburtstag war, tauschte ich den geplanten Lauf gegen einen Besuch beim Dealer – neben einem Paar Socken erstand ich dort den Altra Duo, auf den ich ja schon eine Weile lang ein Auge geworfen hatte.

Bei der nächsten Laufgelegenheit am Mittwoch stieg ich direkt mit einem Halbmarathon ein und war sehr angetan – nebenbei lief ich bei knapp über 1:33 ins Ziel und verbesserte meine Pace deutlich auf 4:25min/km!

Am nächsten Tag lief ich einen fixen 14er und legte am Freitag einen Tag Pause ein, denn zum einen hatte ich Dienst und zum anderen war für Samstag ein 50er geplant.

Der Lauf war gegen Ende etwas mühsam und bescherte mir auch wieder leichte Hüftbeschwerden, aber dennoch habe ich meine Zeit über diese Distanz auf der Zwei-Seen-Strecke leicht verbessert, während der Durchschnittspuls deutlich gesunken ist.

Die Belastung zeigte sich beim 19er am Folgetag, denn ich erreichte mit Mühe eine 4:50er Pace. Die lief ich dann allerdings einigermaßen gleichmäßig nach Hause und genoss das sonnige Wetter.

Woche 10: Strecke verteilt (72,8 km)

Nachdem ich am Montag im Dienst einen Hauch zu lang im T-Shirt draußen gewesen war, hatte die Quittung nicht lange auf sich warten lassen: es kratzte im Hals. Dennoch gelang mir am Dienstag noch ein ziemlich fixer 14er, den ich 4:18er Pace in einem Hauch mehr als einer Stunde hinter mich brachte.

Am nächsten Tag jedoch war es dann vorbei und ich kratzte während des Dienstes immer wieder an der Erkältungsgrenze. Laufen war vorerst gestrichen und Erholung angesagt, um einen längeren Ausfall zu verhindern.

Bis zum Wochenende waren die Symptome zurückgeschlagen, so dass ich mich spontan Jens und Thomas anschließen konnte, die am Sonntagmorgen mit dem Zug von Schwerte nach Arnsberg zu fahren und von dort aus über den Ruhrtalradweg zurückzulaufen planten; eine perfekte Gelegenheit, dieses für mich noch völlig unbekante Teilstück der Tortour-Strecke zu erkunden. Es war ein toller, kurzweiliger Tag voller Pipikacka-Geschichten, Kalauer über alles, was man sich nur ausdenken kann; und gelaufen sind wir ja auch noch ein bisschen… Meine Erkenntnis: schön isset ja nich, das Stück da. Aber es liegt am Anfang und ich kann mich notfalls mit den bekannten Gefilden trösten, die mich ab Hagen erwarten.

Woche 11: SchlaLa (134,2 km)

Nach dem Lauf mit Jens und Thomas meldete sich der Körper wieder und ließ mich mittels zugeschwollener Nase spüren, dass eigentlich auf der Erkältungsfront noch nicht alles durchgestanden war. Ich verstand den Wink und verzichtete auf einen Lauf am freien Dienstag. Das Wochenende mit dem Kölntrail und dem Tortour-Trainingslauf versprach ohnehin schon sehr anstrengend zu werden, da gönnte ich mir ein wenig mehr Ruhe.

Die Wettervorhersage war nicht gerade ermutigend und versprach einen Temperatursturz um etwa 15 Grad, so dass ich mir vornahm, das schöne und milde Wetter noch einmal bei einem 30er zu genießen. Wie jeder Läufer, der mal ein paar Tage Pause macht, war ich innerlich überzeugt, dass der Lauf total langsam und anstrengend werden würde, wir wissen ja alle, dass man innerhalb weniger Tage alles vergisst und der Körper wieder auf Anfängerniveau sinkt… Nur mit Thermoshirt und Trailshorts lief es sich dann aber doch recht befreit und ich holte eine neue Bestzeit heraus: ich kam mit einer 4:38er Pace wieder beim Auto an und hatte damit die 2:20 unterboten. Ziemlich genial! Wieder zu Hause angekommen, fragte ich mich wie so oft nach einer harten Einheit, ob es auch noch ein Leben außerhalb der Dusche gibt und war wirklich, wirklich erschöpft. Die weiteren Aussichten für den Abend: Pizza!

Mit dem Frost kam dann auch das Hammerwochenende: zwei Läufe und mindestens 100km standen an.

Der Samstag begann mit der Marathondistanz beim Kölntrail, einem neuen Oli-Witzke-Lauf, der als 80er und 42er aufgelegt wird, in Wuppertal bzw. Solingen startet und vor den Kölner Dom führt. Ich hatte mich aufgrund des für den Folgetag geplanten Tortour-Vorbereitungslaufs von Dahlhausen zum Rheinorange für die kurze Distanz gemeldet.

So fand ich mich bei deutlich gesunkenen Temperaturen am frühen Samstagnachmittag (ja, Nachmittag, die kurze Strecke bei einem Lauf in die Nacht hat einen Vorteil!) in Solingen ein und wir froren uns schon mal für den Lauf ein. Nach einer Ewigkeit des Wartens und mindestens 400 Jaffa-Cakes kamen dann endlich die 80er-Läufer mit einiger Verspätung an. Dass der Lauf als Gruppenlauf durchgeführt wurde, hatte den Nachteil, dass viele unterschiedliche Tempobereich zusammengehalten werden mussten und eigentlich keiner so recht zufrieden war. Nachdem sich auch die Langstrecken-Leute gestärkt hatten, ging es los, zunächst durch das noch sehr bergige Solingen, dann in Richtung Altenberger Dom immer flacher. Die Strecke war wirklich spaßig und wir erbettelten bei unserem Guide die Erlaubnis, ein Stück vorrennen zu dürfen. Es machte so einen Spaß, durch den Wald zu fetzen. Wir liefen bis in die Dunkelheit durch den Wald, bis wir den Stadtrand von Köln erreichten. Unsere Kleingruppe spaltete sich weiter auf, bis vier zu viert am Rheinufer ankamen und die berühmte Bahnhofskapelle in Sicht kam. Derart große Bauwerke haben die unangenehme Eigenschaft, schon von Weitem sichtbar zu sein – deswegen dauert es auch elendig lange, sie zu erreichen! Dennoch geschah das Wunder dann irgendwann doch und wir gelangten standen jubelnd vor dem Hauptportal auf der Domplatte. Leider hatte sich der Lauf so sehr verzögert, dass wir zwar mit beinahe abfrierenden Gliedmaßen am Agrippabad anlangten, wo uns Wärmung und Reinigung versprochen war, dort aber nach einigen Minuten wieder aus dem Foyer geworfen wurden. Zum Glück konnten wir als erste Gruppe uns noch schnell etwas trockenes anziehen und die schmerzenden Finger ein wenig aufwärmen und zum Glück dauerte es nur einige Minuten, bis der Bus ankam! Insgesamt ein toller Lauf mit einigen organisatorischen Problemen, die aber bei einem „Pilotprojekt“ ganz normal sind.

Als ich dann gegen 23 Uhr zu Hause war, galt das Motto „eat, sleep, repeat“, denn um 10:30 stand der Lauf ab Dahlhausen an!

Am nächsten Tag stand ich also pünktlich auf dem Bahnhofsplatz in Dahlhausen, wo sich eine sehr kleine Schar von Mitstreitern gesammelt hatte, um den Trainingslauf zum Rheinorange anzutreten. Es war wirklich sehr kalt, aber wenigstens war Sonne angesagt und gemeinsam lässt sich alles leichter ertragen. Mir fiel auf, dass ich gar nichts zu essen eingesteckt hatte, so dass ich an der Tankstelle in Steele einen kleinen Tankstelleneinkauf tätigte. Nach einiger Zeit machte sich mein rechter Fuß recht deutlich bemerkbar, denn er hatte auf dem Trail am Vortag Einiges einstecken müssen. Eine Weile lang musste ich ein wenig kämpfen, doch es lief dann wieder und spätestens in Werden wurden wir von herrlichem Sonnenschein begleitet.

Hier erreichte unsere Gruppe die größte Stärke – ab Mülheim schrumpfte sie wieder, bis wir auf den letzten zehn Kilometern nur noch zu zweit liefen. Ich war am Ende doch recht aufgebraucht und das Rheinorange dröhnte dumpf, als ich nach einem kleinen Endspurt mit beiden Handflächen anschlug. Wir genossen eine Weile den Triumph und besonders den Windschatten, bis wir uns auf den langen, unangenehmen Rückweg zur Straße gegen den Ostwind stemmten. Ich war sehr froh, eine wattierte Jacke in meinen Rucksack gestopft zu haben!

Am Ende dieses wirklich harten Fußmarsches wartete Caro mit Schokolade, Getränken und einer Wolldecke auf mich. Ich schrumpfte auf dem Beifahrersitz zu einem kleinen Häufchen Müdigkeit zusammen und war sehr stolz auf die fast 105 Kilometer in zwei Tagen.

Die Schadensaufnahme am Abend zeigte: einige Blasen, eine ordentliche Reizung des Innenbands inklusive Schwellung unterm Knöchel und allgemeine Müdigkeit. Ich war so müde, dass ich nach kurzer Zeit keine Lust auf Essen hatte und recht zeitig ins Bett humpelte, wo ich sehr, sehr schnell einschlief.

Woche 12: Regenerationswoche (14,2km)

Der Fuß forderte dann auch eine Pause ein, die ich ihm bereitwillig einräumte. Nachdem ich am Samstag wieder schmerzfrei war, lief ich am Sonntag eine kombinierte 14er-Runde an der Kemnade – weder sonderlich schnell, noch wirklich langsam, aber mit recht hohem Puls. Das Wetter war sonnig und recht warm, so dass es auf jeden Fall ein guter Widereinstieg war.

Qui Bono?

Noch immer fehlt mir die gewohnte Konsistenz bei den alltäglichen 30ern usw., denn das Wetter macht es im Augenblick nach wie vor nicht leicht. Unterm Strich habe ich aber ganz gute Trainingsreize auf der langen Strecke setzen können. Ich bin zwar in diesem Zyklus keine ultralangen Strecken gelaufen, habe das aber mit einem krassen Doppeldecker ganz gut kompensieren können und war ziemlich lange auf den Beinen. Als Einheit gesehen, waren das Doppeldeckerwochenende schon eine sehr harte Belastung.

In der Folgewoche habe ich ohne große Probleme pausieren können. Ich habe in diesem Winter gelernt, Rückschläge mit Blick auf das große Ganze wegzustecken und entsprechend weitsichtig zu planen.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung, Angesichts der zur Verfügung stehenden Zeit und der teilweise recht harten Wetterbedingungen in den letzten Monaten habe ich das Beste aus meinem Training gemacht; in den nächsten fünf bis sechs Wochen gilt es jetzt „nur noch“ diese Erfahrungen zu vertiefen und einsinken zu lassen und besonders, mein wirklich großartiges Team vorzubereiten. Ich freue mich schon sehr auf dieses Erlebnis: es ist nicht nur an sich eine großartige Sache, an die ich mit ganzem Herzen herangehe, sondern ist auch zu einem sehr familiären Ereignis geworden, das uns sehr eng zusammenbringen wird!

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