Mesozyklus KW 5-8

Woche 05: 50er (101km)

Mittwoch: 30km
Mein erster Lauf nach dem guten Ergebnis in Rodgau war wieder ein 30er. Die Bedingungen waren wirklich widrig, denn es war Novemberwetter mit ordentlich böigem Wind aus westlicher Richtung. Das bedeutete auf der gesamten Strecke etwa 15km Gegenwind mit Stärke drei bis vier. Durch den Abkacker vom letzten Mal hatte ich meine Lektion gelernt und bereits vor dem Lauf etwas getrunken – auch währenddessen achtete ich darauf, die erste Flasche deutlich früher leergetrunken zu haben. Kurz vor Ende des Laufs, als ich mich schon nach dem Ziel sehnte, drehte sich die Strecke nochmal schön in den Wind – ein Hochgenuss! Ich musste immer wieder mentale Feuerchen löschen, schaffte es dann aber ins Ziel, ohne zu heulen 🙂 Ein guter Lauf mit einer ordentlichen Portion Training für die Rübe!

Donnerstag: 13km
Am Folgetag ging es wieder an den Kemnader See, dieses Mal auf eine kurze und schnelle Runde. Der Wind hatte sich noch nicht verpustet, doch wenigstens schien die Sonne. Der Hinweg zum Wendepunkt war wie gewohnt durch die Suche nach Windschatten geprägt, der Rückweg mit dem Wind im Rücken deutlich angenehmer zu laufen. Dennoch war klar: es muss wieder mehr Tempo in den Plan!

Sonntag: 50+8km

Wieder einmal hatte ich mir Freitag und Samstag in einer Mischung aus Faulheit und Zeitmangel ein bisschen zu viel Laufpause gegönnt, so dass ich an den geplanten 50er-Sonntagslauf wenigstens die sieben bis acht Kilometer auf die Mindestwochenleistung von 100km anhängen musste. Wenigstens gelang es mir, Henning Vengels zu bewegen, mich wenigstens zeitweise zu begleiten. So liefen wir die ersten 34 Kilometer gemeinsam.

Doch im Kopf begann es bereits ab Kilometer 26 zu arbeiten: 24 Kilometer würde ich alleine laufen müssen. Das war so weit! Und überhaupt, ich hatte all die Streckenabschnitte vor Augen, die ich nicht mochte!

Wenn an Ausstiegspunkten plötzlich alles ganz schlimm ist, stehen die Chancen gut, dass hier ein gewisser Schimpanse mit Botenstoffen um sich wirft. Es ist in diesen Fällen wichtig, dem nicht nachzugeben, sondern nach Möglichkeit weiterzumachen. Jedes Mal, wenn man nachgibt, bestätigt man den Ausstiegsmechanismus und sammelt negative Erinnerungen, die es einem immer schwerer machen, überhaupt in lange Einheiten einzusteigen.

Gegen alle Unlust ließ ich Henning, der mir kurz vor dem Ende unserer gemeinsamen Strecke noch seine Kuchenpläne erörtert hatte, also ziehen und zwang mich wieder auf die Strecke. Ich lief ein wenig zu schnell, hatte aber Spaß bei der Sache und hielt das Tempo, bis ich an der Herdecker Ruhrbrücke angekommen war. So ganz traute ich mir selbst nicht, so dass ich entschied, nicht erneut am Auto vorbeizulaufen, sondern die Fluss-Seite zu wechseln und über den Kaisberg zurück ins Ziel zu laufen. Im NSG Ruhraue angelangt, wurde es langsam ein wenig schmerzhaft in den Beinen – netterweise hatte mir der Laufgott einen langsameren Läufer geschickt, den ich in der Steigung hinter dem Klärwerk überholen konnte – ein Umstand, der mir den schmerzhaften Aufstieg ein wenig erleichterte. Nach der zweiten Steigung am Wasserschloss war dann das Schlimmste vorbei und ich lief bis auf die letzten anderthalb Kilometer einigermaßen rund ins Ziel.

Der Rest war Duschen und Essen.

Woche 06: Strecke verteilt (101 km)

Dienstag: 21km
Nach einem recht stressigen Tag, der mir eigentlich zu viel Druck für einen längeren Lauf hatte, stülpte ich mir dennoch die Stirnlampe über und lief meine gute, alte HM-Strecke um die zwei Seen. Das Wetter war kalt, aber trocken und sternenklar, der Wind war kaum der Rede wert. Nachdem ich den Kaisberg überquert hatte, wurde mir klar, dass es heute recht gut lief – jeder kennt dieses Gefühl, wenn es einfach Spaß macht, Gas zu geben. So lief ich das letzte Drittel fast durchgehend mit einer Pace von etwa 4:25 und holte am Ende eine 4:34 heraus. Wirklich motivierend!

Donnerstag: 30km
Der 30er am Donnerstag war nicht mehr so flott, wie der vorangegangene Lauf – es fehlte mir ein bisschen an Kraft und Tempo, aber alles in Allem war es ein schöner Lauf bei bestem Wetter.

Freitag: 12km
Nach dem Freitagsdienst wollte ich mal wieder eine kürzere Strecke am Harkortsee laufen, was ich recht selten tue. So plante ich, knapp zwölf Kilometer gegen meine gewohnte Laufrichtung zu laufen. Bis zur Ruhrüberquerung in Herdecke lief ich eine 4:17er Pace, mit der Überquerung des Kaisbergs verlor ich jedoch wieder etwas und lief am Ende eine recht ordentliche 4:23 ins Ziel. Schnell und gut.

Sonntag: 38km Bochum Backyard Trails

Für Sonntag hatte Laufruhr zu mehreren Runden durch das Weitmarer Holz geladen. Es passte alles zeitlich so gut, dass ich die knapp zehn Kilometer von meiner Freundin zum Treffpunkt hin und zurück laufen und so mit dem geplanten 20er im Wald den perfekten 40er für meine Woche mit verteilter Strecke würde laufen können.
Da ich am Vortag einen 24-Stunden-Dienst gehabt hatte und die Nacht alles andere als ruhig gewesen war, lief ich am Sonntagmorgen zwar pünktlich, aber ziemlich müde los. Ausgerechnet am See bließ mir, der ich noch nicht warmgelaufen war, ein eisiger Wind entgegen und es nieselte. So überwand ich die hügelige Strecke zum Parkplatz an der Schloss-Straße und traf dort einigermaßen pünktlich ein. Wir liefen zwei tolle Runden durch den gefrorenen Wald, genossen ein Weizen und etwas Kuchen und ich machte mich wieder auf den Rückweg. Während der letzten zwanzig Minuten erwischte mich wieder ein eiskalter Schauer, doch dieses Mal war mir das Wetter herzlich gleichgültig. Ein erfreulicher Effekt der letzten Wochen, in denen ich mich schon so manches Mal in fieses Wetter hinausgequält hatte.

Woche 07: SchlaLa (101 km)

Dienstag: 30km
Die Schlala-Woche war mit 60 Stunden Anwesenheit bei der Arbeit und zahlreichen Terminen einigermaßen lauffeindlich und so kamen auch nur zwei Läufe zustande. Der Dreißiger am Dienstag stand unter einem guten Stern: ich schaffte eine gute Endbeschleunigung und lief insgesamt mit einer 4:44er Pace bei sonnigem Wetter.

Aufgrund der Gewissheit, dass der lange Lauf am Sonntag mir auf jeden Fall meine Mindestwochendistanz sichern würde, ließ ich mir angesichts der zeitlichen Stressfaktoren in dieser Woche ein wenig lange Leine und pausiert bis Sonntag.

Sonntag: 71km

Eigentlich hätte ich für die ganz großen Runden noch eine Menge Zeit, doch was man hat, das hat man. Zudem bin ich ja letztens erst 60km gelaufen und für eine weitere Steigerung wollte ich mich nicht in Endlosen Zehnerrunden dulle laufen. Also kürzte ich meine Trassentour ein kleines Bisschen ein und lief nach einem reichhaltigen Pancake-Milch-Frühstück einfach drauflos. Der Start war ein wenig holprig, denn mein Pulsgurt wollte nicht funktionieren und irgendwann fiel mir ein, dass ich weder Geld, noch EC-Karte dabei hatte und auf das Wohlwollen der Tankstelle in Essen angewiesen war, die ich so oft schon als VP genutzt hatte. Ich kämpfte also eine Weile mit dieser mentalen Belastung, fand aber spätestens nach dem Eintritt in die Trassenwelt, die sich hinter dem Westpark öffnet, wieder meinen Frieden. Irgendwo in der Nähe der Zeche Zollverein stieß ich dann auf Mee und Christian, die mich eine Weile begleiteten , bis ich in Richtung Essener Innenstadt abbog. Nach dem Wendepunkt in Richtung Ruhrtalradweg machte sich meine Hüfte ein wenig bemerkbar; der Schmerz kaute auf meiner Motivation herum, doch ich biss mich durch und schaffte es, durch veränderte Lauftechnik der Sache Herr zu werden. Dennoch waren die letzten 25 Kilometer ziemlich hart, denn meine Beine schmerzten mehr und mehr und die Erschöpfung breitete sich in meinem Körper und Geist aus. Irgendwo zwischen Hattingen und Stiepel grub ich in mir und beschwor diesen eisernen Willen, eine Strecke zu Ende zu laufen, den ich in mir wusste. Das half sehr! Dennoch schmerzten die Muskeln am Kemnader See so sehr, dass ich mir erlaubte, spätestens an der Ampel über die Seestraße Schluss zu machen. Bis dahin wäre das Pensum locker voll. Ich sturte mich bis zur Ampel durch und spazierte den letzten Kilometer bis zum Ziel. Das tat auf ganz andere Weise weh, wirklich interessant – überdies, dachte ich mir, war das gutes Training für den langen dunklen und quälenden Spaziergang vom Rheinorange bis zu dem Punkt, an dem man sich von einem Auto aufsammeln lassen kann.

Der Lauf war lange nicht so locker, wie ich es mir angesichts meiner vorherigen Leistungen ausgemalt hatte, doch eventuell war ich am Anfang auch noch ein wenig zu schnell. Insgesamt kann ich mit der gestoppten 5:42/km ziemlich zufrieden sein. Ausgerechnet das Leiden im letzten Drittel sehe ich aber als einen großen Gewinn dieser Trainingseinheit an, denn ich habe mich manches Mal aus der dunkelsten Ecke der „Pain Cave“ herausholen können – eine sehr wertvolle Erfahrung!

Eventuell hat dieses Leiden auch etwas mit Ernährung zu tun, denn ich habe insgesamt nur 2,5 Liter Iso, eine Clifbar und eine Tüte Gummibärchen zu mir genommen. Ich bin nicht sicher, ob die Schmerzen tatsächlich ein Energieverlust-Thema waren, denn ich bilde mir ein, dass sich da anders anfühlt – dennoch werde ich beim nächsten Mal mit mehr Essen Experimentieren.

Woche 08: Regenerationswoche (61,8 km)

Da meine Hüfte nach dem 70er noch geschmerzt hat, habe ich mir einige Tage Ruhe gegönnt. Es stand ja ohnehin die Regenerationswoche an. So lief ich in ab Donnerstag auch nur etwas kürzere Strecken: Donnerstag gab es einen schnellen 14er, am Folgetag 18km und am Sonntag gemischt gut 30km mit Anfängern ganz langsam und in der zweiten Hälfte dann alleine und etwas schneller. Durch den eiskalten Wind und die lange Laufzeit war allerdings kein besonders hohes Tempo mehr drin.

Cui Bono?

Grundsätzlich läuft es, auch auf der Langstrecke. Ich habe es trotz der vollen Agenda und des eher durchwachsenen und vor allem kalten Wetters geschafft, mein Soll zu erfüllen. Der erste 70er kam einigermaßen unverhofft und erschien mir ein wenig mühevoll für die Leistungen, die ich auf 50 und 60km schon erreicht habe. Allerdings bin ich die Distanz auch recht schnell angegangen und habe sehr wenig gegessen. Zudem war ein Besuch in der berüchtigten „Pain-Cave“ durchaus wertvoll für mich, denn ich habe eine Menge über die Kraft gelernt, die in mir steckt und die Wege, sie zu mobilisieren. Was noch fehlt ist der Weg zurück ans Licht, der ja bei 100-Meilen-Läufen durchaus die Regel sein soll.

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