Mesozyklus KW 48-52

Woche 48: 50er-Woche (100km)

Bereits zu Beginn der Vorwoche hatte ich einen kleinen Seitenblick auf die Monatskilometer im November geworfen und war recht beeindruckt angesichts der bereits angefallenen Strecke. Schnell begann ich zu rechnen: nach dem Udo wären etwa 420 Kilometer absolviert – wenn ich hier noch einen und dann da…ja, 500 Kilometer wären sicher machbar…
Da ich am Tag nach dem UDO dann doch lieber auf weitere 20km verzichtet hatte, blieben mir nur noch der Dienstag und der Mittwoch, um die restlichen 80 Kilometer hinter mich zu bringen. Dafür musste ich meine Laufplanung für die KW 48 tatsächlich lediglich umstellen.

Meine Laufwoche startete am Dienstag mit schlechtem Wetter und ein wenig Müdigkeit, so dass ich mich spontan entschied, zuerst die 30er Distanz anzugehen und die 50 am Mittwoch zu absolvieren. Ich startete am Abend im Dunklen. Da ich nur eine Windjacke dabeihatte, fing es natürlich an zuregnen, natürlich an dem Punkt, der am weitesten von zu Hause entfernt ist. Zum Glück handelte es sich nur um einen kurzen Schauer, der wieder in Nieselregen überging, so dass es nicht allzu hart wurde. Insgesamt war ich für den ersten Tag eines Doppeldeckers ein wenig zu schnell unterwegs, und ich war am Abend dementsprechend ein wenig angeschlagen, doch gesundheitlich war alles okay.

Am Mittwoch war ich nach wie vor müde, doch die Entscheidung, den 50er auf den zweiten Tag zu legen, erwies sich als weise, denn das Wetter war wunderbar! Ich lief eine Acht auf meiner Heimatstrecke um die zwei Seen; obwohl sich der Vortag im Kopf und den Muskeln zwischendurch bemerkbar machte, lief ich mit wenig Essen ziemlich gleichmäßig und ohne groß zu leiden durch. Am Ende war es ein toller Boost für das Selbstbewusstsein, mal eben 80km in zwei Tagen abreißen und zudem recht gute Zeiten laufen zu können!

Nach zwei Tagen Pause und einem kleinen Abend-Zehner mit Basti am Freitag stand am Samstag der Herdecker Nikolauslauf an, bei dem ich mal wieder meine Kurzstreckenzeit angreifen wollte. Ich hatte vor einigen Wochen an der Kemnade mit einer 4:16er-Pace auf 10km recht gut vorgelegt und erwartete aufgrund des Massenstarts, des Streckenprofils am Hengsteysee und der Belastungen der Woche nicht, diese Geschwindigkeit erreichen zu können. Es gelang mir dann aber, mich relativ schnell durch das Starterfeld hindurchzuwurschteln und während des gesamten Laufs ordentlich Druck zu machen. In der zweiten Hälfte fand ich einen guten Pacer, den ich auf dem letzten Kilometer sogar noch hinter mir habe lassen können und lief mit einer 4:16er-Pace ins Ziel (der Lauf ist nur 9,6km lang, deswegen ist die Gesamtzeit nicht so aussagekräftig). Ich war mehr als zufrieden!

Woche 49: Strecke verteilt (102km)

Den ersten Lauf der Woche wollte ich eigentlich lockerer angehen, doch ich habe mich in einem deutlich beschleunigten Tempo einfach zu wohl gefühlt. Immerhin habe ich nicht voll auf die Tube gedrückt. Ein guter Lauf!

Am Dienstag ging es wieder auf die 30er-Distanz – nach Bastis Dienst ging es über den Rheinischen Esel nach Dortmund, an der Emscher entlang nach Langendreer und über den Rheinischen Esel zurück zum Ausgangspunkt in Witten. Ein lockerer langer Lauf mit der Erkenntnis, dass es im Ruhrgebiet halt doch nicht nur schön ist.

Am Donnerstag ging es 18 Kilometer um meine Seen. Es war ein wenig Regen angesagt und recht frisch, doch durch den Rückenwind auf dem Hinweg wähnte ich mich in Sicherheit – als ich dann auf dem Rückweg Wind und Regen von vorn zu spüren bekam, wurde es doch ziemlich hart, zudem bei Kilometer 12,5 meine Stirnlampe ausging – wenigstens hatte ich den unbeleuchteten Teil der Strecke da bereits hinter mir. Auf den letzten Kilometern war es dann richtig hart, weil der Wind ungebremst über den See kam und meine Oberschenkel taub wurden. Die Dusche hatte ich mir am Ende jedenfalls verdient!

Der Freitag sollte eigentlich wieder eine längere Strecke in Runden um die Kemnade umfassen, doch das Wetter war weiterhin windig und regnerisch und ich brauchte eine ganze Weile, um mich selbst zu mobilisieren. Da die Zeit knapp wurde, entschloss ich mich, die Distanz auf 20km zu halbieren. Die Wochenkilometer gaben das her und ich dachte mir, es würde auch so schon ein Arbeitssieg werden. So lief ich – wie am Vortag in kurzen Hosen, ohne Mütze und Handschuhe los – besonders die ersten Kilometer gegen den Wind waren fies, denn ich war noch nicht warm. Ab Kilometer 5,5 durchlitt ich einen kleinen Hungerast (schlau wie ich war, hatte ich natürlich nichts eingesteckt), lief nach einem kleinen Snack dann tapfer und deutlich schneller in die zweite Runde und beendete den Kampf nach genau 20 Kilometern. Wieder eine verdiente Dusche!

Am Sonntag war dann ein Schneelauf angesagt. Meine Zeit war begrenzt und ich sah von einem Traillauf durch den Winterwald ab, denn ich wollte noch 20km sammeln, um mein Wochenpensum zu erfüllen. Da es recht ergiebig zu schneien begonnen hatte, lief ich die ganze Zeit auf geschlossener Schneedecke und wurde ordentlich nass, denn was da vom Himmel fiel, war alles andere, als Pulverschnee! Ein schöner Lauf!

Woche 50: Erkältungspause (12km)

Nach all den heftigen Läufen war ich bereits sehr verwundert, wie stark mein Immunsystem geworden war, doch am Ende fing ich mir doch etwas ein (lustigerweise nicht beim Laufen). Ab Dienstag war „Essig mit Laufen“ und ich lag zwei Tage flach, gefolgt von der üblichen Schnupfenphase.

Am Sonntag konnte ich dennoch wieder in einen kürzeren und nicht allzu schnellen Lauf starten, der nach einer Woche Abstinenz viel Spaß gemacht hat!

Woche 51: Schlala-Woche (102km)

Am Dienstag startete ich mit einem 15km-Lauf spürbar geschwächt in die Laufwoche. Einen Tag später habe ich mich bereits wieder an die 30 gewagt, die ich allerdings nur mit Mühe hinter mich gebracht habe. Am Folgetag habe ich dannnoch ein paar Kilometer an der Kemnade gesammelt, was schon wesentlich besser ging – insgesamt hatte ich das Gefühl, dass das Laufen durch die frische Luft und die Bewegung eher förderlich war, den es ging mir täglich besser. Da ich meine Freundin an diesem Abend mit hohem Fieber und einer Bronchitis ins Bett stecken musste und auch mein Hals ein wenig belegt war, wartete ich ein wenig ab – den für Samstag geplanten 30er verschob ich wenigstens einen Tag und lief am Abend, als es mir immer noch gut ging, einen leicht beschleunigten 14er an Harkort- und Hengsteysee. Der Lauf half deutlich gegen den belegten Hals. An Heiligabend ging es mir immer noch gut, so dass ich den 30er tatsächlich anging – anfangs noch vorsichtig, aber nach und nach schneller – und locker in einem entspanntem Tempo bis um Ende durchlief.

Woche 52: Regenerationswoche (143km)

Die Weihnachtswoche – eigentlich zur Regeneration geplant – plante ich aufgrund der Pause in Woche 50 um. Im WOchenverlauf eskalierte sie ein wenig und geriet mir im Endeffekt gar zur Peakwoche. Beide Weihnachtsfeiertage waren terminlich so voll, dass ich an beiden Tagen nur meine Trail-Hausrunde dazwischenquetschen konnte, am Montag musste ich dafür sogar bereits um acht aufstehen.

Für Mittwoch hatte ich eigentlich 30km angesetzt, war aber zu faul, mich in das schlechte Wetter zu begeben. Wenigstens konnte ich mich zu einer Laufverabredung mit Jens und Thomas hinreißen lassen und habe dadurch wenigstens noch einen lockeren Zehner absolviert. Am Abend habe ich mal wieder Strava durchgescrollt und bin dabei auf den letzten Longrun von Schluppe gestoßen, der zeigte, dass er sich deutlich verbessert hatte. Wenn das so weiterging und ich hier weiter so rumpimmelte, so meine Befürchtung, würde er bei der Verfolgung unseres gemeinsamen Rodgau-Ziels eher mich ziehen müssen, als ich ihn! Flugs war der Plan gefasst, für den nächsten Tag einen langen Lauf anzusetzen. Als „Belohnung“ für die vielen verschobenen und ausgelassenen Läufe wählte ich die 40km.

Am folgenden Tag war das Wetter heiter bis wolkig und trocken, so dass ich mit bester Laune in mein Vorhaben startete. Anfangs hielt ich mich noch ein wenig zurück, doch recht bald merkte ich, dass ich auch an den Steigungen sehr gut vorankam. Bei km 27 erwartete mich mein Kofferraum-VP mit frischem Isozeugs. Ich nahm zwei frische Flaschen mit auf die letzten 15km und gab – befeuert von einer ordentlichen Portion Gummibärchen – noch etwas Gas. Die nächsten 10km lief ich deutlich beschleunigt und legte auf den letzten fünf noch eine Schüppe drauf. So lief ich den vorletzten Kilometer in 4:36 und den letzten in 4:23, insgesamt absolvierte ich einen Marathon in etwa 3:35 (5:08/km). Beides tolle Ergebnisse, die mich wieder etwas mit mir selbst versöhnten.

Bereits in der Vorwoche hatte ich mich spontan dazu entschieden, endlich mal wieder an einer Oli-Witzke-Veranstaltung teilzunehmen. So war ich für den Bergischen Wupperlauf am Samstag angemeldet. Die Steigungen der Wupperberge und die reichlichen Niederschläge der letzten Wochen versprachen einen interessanten Traillauf. Als zusätzliches Schmankerl konnte Oli mit dem Gartenhallenbad Cronenberg als Start- und Zielort aufwarten, dass uns vor dem Lauf ein warmer Wartepunkt und danach ein heißersehnter Ort der Entspannung war.

Für mich lief es ziemlich gut (Bericht und Podcast sind schon in der Mache!), so dass ich nach insgesamt 5:27 unter die Dusche steigen und anschließend in der Sauna entspannen konnte – großartig, sage ich Euch!

Ebenso spontan war auch der folgende und letzte Tag des Jahres zustande gekommen: Basti und ich hatten uns kurzfristig entschieden, am Silvesterlauf von Werl nach Soest teilzunehmen. Daher sammelte mich Basti am Vormittag auf; wir kauften beim Bäcker belegte Brötchen und machten uns auf den Weg nach Werl. Nach einem kleinen Spaziergang zur Stadthalle absolvierten wir erfolgreich und ohne Punktabzug die Nachmeldung, kauften wir noch ein Startnummernband, zu dem wir uns selbst durch konsequentes Liegenlassen der Startnummernmagneten übertölpelt hatten, hockten uns in irgendeine Ecke und warteten mit hunderten anderen Menschen in Laufkleidung Kiss-Kostümen und Feuerwehr-Montur inkl. Atemschutzgeräten (!) auf den irgendeinen Zeitpunkt kurz vor dem Start, zu dem wir uns hinaus in die Kälte begeben wollten. Währenddessen war es deutlich milder geworden und durch das Gedränge im Startblock, in den wir uns noch hineinquetschten, war es überhaupt nicht kalt. Nach einigem Geplänkel fiel dann endlich der Startschuss und es ging los. Auf dem Weg zur ehemaligen B1 wurschtelte ich mich durch das Feld, traf einige Bekannte und auch Basti wieder und begann nach drei Kilometern daran zu zweifeln, dass ich das 4:20er Tempo würde bis zum Ende durchhalten können. Ein wenig brannte es ja doch in den reichlich beanspruchten Oberschenkeln. Ab Kilometer 5 hatte ich mich allerdings freigelaufen und kam langsam in einen Tunnel, in dem es nur um Schritte ging. Ich ignorierte an beiden VP die hingehaltenen Becher und hielt mich an das, was in mir passierte. Mein Lauf glich einem Durchmarsch durch das Läuferfeld, lediglich an den leichten Steigungen litt ich ein wenig. Bei Kilometer 11,5 hatte ich das Gefühl, leicht nachzulassen und ich griff zu den Gummibärchen, die ich bei fast jedem Lauf als Notfallration dabeihabe. Das half (bei der Auswertung des Laufs wurde mir klar, warum ich mich an dieser Stelle auf einem Tiefpunkt befand: ich hatte den vorangegangenen Kilometer in 4:09 absolviert) und ich stabilisierte die Pace wieder bei unter 4:20. Nun liefen wir nach Soest hinein, zwei wirklich lange und harte Kilometer, während derer ich nochmal alles aufbringen musste, um die Pace zu halten. Am übelsten waren die letzten paar hundert Meter über Kopfsteinpflaster, die richtig wehtaten. Dann war es geschafft! Mit einer Zeit von 1:05:43 und einer Pace von 4:22/km war das ein neuer Rekord über diese Distanz! Basti, der recht früh gesagt hatte, er könne mein Tempo kaum halten, lief rund eine Minute später ins Ziel. Wir genossen unser Zielbier, sammelten unsere Kleiderbeutel ein, zogen uns um und begaben uns in einen der Shuttlebusse zurück nach Werl. Ein toller Jahresabschluss!

Cui Bono?

Obwohl ich krankheitsbedingt in puncto Kilometergesamtleistung in diesem Mesozyklus bei weitem nicht alles habe ausschöpfen können, war er dennoch mit einigen Highlights und Höchstleistungen gespickt: besonders auf der langen Strecke habe ich Einiges reißen können, wie der 30-/50-Doppeldecker Ende November gezeigt hat. Mein Körper hat den wirklich harten Wetterbedingungen der ersten Dezemberwochen eine Menge entgegenzusetzen gewusst – dennoch hat es mich dann zur Monatsmitte erwischt. Wie gut meine Basis auf der Ultradistanz geraten ist, hat sich aber bereits in der letzten Jahreswoche gezeigt: mit 143 Kilometern Gesamtleistung, zwei absolvierten Marathondistanzen, darunter einem stark gelaufenen Bergischen Wupperlauf, und einem 15km-Wettkampf mit 128km in den Beinen können Kopf und Beine offensichtlich schon von einer Menge Grundlagen zehren. Nun gilt es, diese Grundlage in den effektiv bis zur Tortour noch verbleibenden vier Monaten weiter in Richtung Dreistelligkeit zu verschieben.

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